Archive for Mai, 2009

31. März 1989 - Verhaltenstraining

Mittwoch, Mai 13th, 2009

Freitag 15 Uhr. Eine Woche mit Verhaltenstraining geht zu Ende. Ich bin tatsächlich seit Freitag vergangener Woche nicht zu einer einzigen inhaltlichen Eintragung gekommen, habe gerade so mit Mühe die Statistik weitergeführt..

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 # Beleg von einer Einkehr mit C. im Szenerestaurant “Mutter Hoppe” des neuen Rathausviertels. Am Rande sichtbar die Eintragung von Geldausgaben, bestimmten Bedürfniskomplexen (bzw. ihren Kurzzeichen) zugeordnet. Die statistische Auswertung der Aufzeichnung der Kosten- und der Zeitstruktur meines Lebens unter Nutzung des PC beschäftigte mich damals viel. Da ich später diese Auswertungen abgebrochen habe, lasse ich bei der gegenwärtigen Wiedergabe des Tagebuchs alle demensprechenden Eintragungen weg. Die statistischen Urbelege existieren, vielleicht nehme ich sie ja noch einmal vor - im nächsten Leben.

Die Bedeutng des Verhaltenstrainings  in meiner Arbeit ist an etlichen Stellen des Tagebuchs ausgeführt, die hier mittels Suchfunktion leicht zu finden sind. #

22. März 1989 - “Publizität”

Dienstag, Mai 12th, 2009

Gestern in “150 Jahre Fotografie”

danach in “Gastmahl des Meeres” # DDR-Kette von Fischgaststätten, vergleichbar “Nordsee” #

Benjamini umgetopft,

Polemik mit C. zum Fernsehen,

Obstgelee - (gelungen)

schöne Liebe!

Heute Abend in “Kleine Vera” # sowjetischer Film, siehe: http://www.cinema.de/kino/filmarchiv/film/kleine-vera,1308545,ApplicationMovie.html #

Jetzt gleich ML-Seminar (Lenin Werke Band 27, S. 250!)

# Meine Tagebucheintragungen, die damals manchmal sehr knapp sind, begnügen sich mit der Literaturangabe und dem Ausrufezeichen zum Lenin-Seminar.

 

Heute, da über Lenin im wesentlichen Gruselstories verbreitet werden, und viele, die es eigentlich besser wissen sollten, (nachholend) Nietzsche oder Heidegger lesen und (ebenfalls nachholend) versuchen, ihre paar überzähligen Kröten am Aktienmarkt “arbeiten zu lassen”, erlaube ich mir ein paar Zusatzinfomationen:

 

Es handelt sich um Lenins klassische Arbeit “Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht” vom März/April 1918. Das Seminar befaßte sich mit dem Abschnitt: “Die Organisierung des Wettbewerbs”, Seite 250-253 meiner Lenin-Ausgabe von 1960. Hier ein kleiner Auszug:

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890322bp1010007.jpgLenins Position zur Publizität, also auch zur Rolle der Massenmedien, wurde nicht nur in der damals aktuellen Losung “Glasnostj” aufgegriffen. Ich stellte sie offensichtlich auch (ohne das im Detail rekonstruieren zu können) in einen polemischen Gegensatz zu dem ND-Artikel, der mich einen Tag zuvor (gestern hier dokumetiert) empört hatte.

Übrigens verweise ich den Interessierten auf Lenins  Formulierung auf S. 251, jede Fabrik, jedes Dorf sei eine Produktions- und Konsumkommune. Das ist durchaus etwas anderes als die spätere realsozialistische “administrative Kommandowirtschaft”. Das sei festgehalten, ohne Lenin deshalb zum Schöpfer eines “Kommune-Sozialismus” stilisieren zu wollen.

Die Wahrheit ist eben viel differenzierter. #

 

21. März 1989 - ein ND-Leitartikel

Montag, Mai 11th, 2009


Am Wochenende verheerender ND-Leitartikel (nebenstehend).

 

In derselben Nummer guter Artikel von Frank Adler zum Problem “Leistungsprinzip und soziale Sicherheit”.

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# Diese Notizen könnten Bände über die Medienpolitik der DDR-Führung sprechen. Offensichtlich hielt ich es aber nicht für nötig (oder es widerte mich zu sehr an), meine Kritik auszuformulieren, begnügte mich damit, den Artikel aufzuheben, der als Modellfall für die beondere, DDR-schlimme-Art der Volksverarschung gelten kann:

- der ekelhafte Dünkel, unsere etwas bessere Konsumlage gegenüber Polen herauszustreichen

- der latente Nationalismus

- die Unverschämtheit, unsere, gegenüber dem Westmaßstab, miese Konsumlage zu preisen

- die Dreistigkeit, sich von einer polnischen Stimme, die sich eindeutig an Polen wendet, bauchpinseln zu lassen

- die Unverschämtheit, die eigenen Bürger in ihren eigenen Angelegenheiten für inkompetent zu erklären

- die “Großzügigkeit”, auch ein paar kleine kritische Bemerkungen zu akzeptieren

usw. usf.

Und das Auf-mehreren-Klavieren-Spielen, indem man in derselben Zeitung, paar Seiten weiter, einen qualifizierten Beitrag nachschiebt.

Vielleicht war der dazugeschmuggelt worden. Oder er war Ausdruck des “intellektuellen Niveaus”, daß man sich auch anders geben konnte.

Ich lese heute wieder diese Zeilen und ich empfinde wieder in voller Schärfe das damalige Gefühl ohnmächtiger Ablehnung und des immer entschiedeneren Aufbegehrens. Das sage ich, der immer ein Parteigänger der DDR war und ist. Ich kann nachvollziehen, daß diejenigen, die ihre Bindung zur DDR gekappt hatten, unversöhnlichen Hass entwickelten. Doch die DDR und der Realsozialismus überhaupt waren immer mehr als der Gestank usurpatorischer Führer. #

17. März 1989 - Wahlvorbereitung

Montag, Mai 11th, 2009


An den beiden letzten Tagen habe ich nicht weniger als 4 1/2 Stunden mit WBA-Arbeit zugebracht (in der Arbeitszeit) + 3 Stunden in der Freizeit.

16. März 1989 - bald sind Kommunalwahlen

Montag, Mai 11th, 2009


Lebhafte WBA-Sitzung gestern zur Vorbereitung der Kommunalwahlen. Neue Gesichter, sympathisch Frau Haufe z. B.

Abends Kurt zu Besuch. Wir drei (C. hatte in der neuen “Sinn und Form” das Gespräch mit Christa Wolf gelesen und war sehr beeindruckt.) haben ein lebhaftes, abendliches, politisches Gespräch.

Später viel gefressen, leider.

15. März 1989 - politische Konfusion

Sonntag, Mai 10th, 2009

Konfuse APO-Leitungssitzung gestern mit Horst Döring und Franz Fischer. Ich habe das Bild einer Agonie des Überzentralismus. Jedoch hat das nichts Beruhigendes, wenn dieser sich unter Einsatz aller Mittel, auch verbrecherischer, behaupten würde.

 

In “Kunst und Literatur” 2/89 # sowjetische Zeitschrift # interessante Artikel - auch zur Aufhellung der “Stagnationszeit”. (Dies scheint mir vernachlässigt und ganz besonders wichtig.)

C. erzählte von Ausreiserdiskussionen auf ihrer Arbeit.

Polaschewski zählt auf,

# Prof Dr. Edwin Polaschewski zählte zu den profiliertesten Wissenschaftlern für Betriebswirtschaft, Rechnungsführung und Statistik in der DDR. In unseren Lehrgängen lehrte er das Fach “Kostenrechnung für Leiter” #

daß wir acht Greise im Politbüro haben (und keine Opposition), die auf einen Schlag abgelöst werden müßten. Es sähe aber so aus, daß Erich H. auch nach 1990 weiter regieren wolle. Polaschewski meint, von unserem eigentlichen Konzept der Eigenerwirtschaftung sei nicht mehr viel übrig.

# “Konzept der Eigenerwirtschaftung” - das einst unter Ulbricht von Erich Apel und dem damals noch jungen Günter Mittag entwickelte Konzept größerer Selbständigkeit der ökonomischen Einheiten (Betriebe, Kombinate), das auf eine flexiblere Verbindung von Plan und Markt zielte. Das Konzept wurde mit Ulbrichts Sturz aufgegeben, die dazugehörige Rhetorik jedoch teilweise weiter gepflegt. #

 

Überall Gedrücktheit, wenig Freude.

13. März 1989 - Fahrt zur Leipziger Messe

Sonntag, Mai 10th, 2009


890313blogp1010007.jpgTechnische Messe:

Kooperation mit BRD bei Baukema

# Ein Kombinat unseres Industriebereichs Schwermaschinen- und Anlagenbau (SAB). “Baukema” steht für “VEB Kombinat Bau-, Baustoff- und Keramikmaschinen”. Es war, wenn ich mich richtig erinnere, das kleinste Kombinat des SAB, mit etwa 8000 Beschäftigten (verteilt auf eine ganze Anzahl Betriebe). #

Perfekte Kommerzialiät bei den westlichen Ausstellern.Dagegen wir, dagegen SU, überhaupt der sowjetische Pavillon!

20,-M Strafe wegen Straßenbahn ohne Fahrschein

Buchmesse: Der Kim-Kult der Koreaner! Bernd Wagners erstes BRD-Buch

Im Rundfunk abends hören wir von einer Ausreiserdemo am Nachmittag in Leipzig

Die Zeitung “ND” entblödet sich nicht, den Messerundgang der Partei- und Staatsführung mit 39! - neununddreißig - Abbildungen Honeckers zu dokumentieren.

Auch diese Art Differenzierung der Anreden finde ich nicht wenig peinlich.

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