Archive for Juni, 2009

25. Mai 1989 – Chaos in SU?

Montag, Juni 15th, 2009


Wenda, MSAB Abteilung Außenwirtschaft, hielt Vortrag bei uns über Bedingungen des SU Exports/Imports. Er meint, daß dort ein ökonomisches Chaos organisieret wurde, das sich weiter vertieft. Dort haben intellektuelle Spinner die Macht erhalten, meint er.

# So sieht mein Gehaltsstreifen aus. #
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Ausstellung “Lebens Art” im Alten Museum.

24. Mai 1989 – Vorbereitung Wohngebietsfest

Montag, Juni 15th, 2009


Beratung zum gemeinsamen Wohngebietsfest gestern. Habermann (WBA 14) erzählt von einem seiner beiden Wahllokale. Es hatte am Wahltag ca. 380 Wahlberechtigte, ca 90 Nichtwähler, 26 Gegenstimmen. Zu einem Jugendforum, das er veranstaltet hatte, waren von 76 Eingeladenen 1 erschienen. Die Zahlen der Wahlen entsprechen etwa meinen.

WBA 15 steigt aus gemeinsamen Fest aus. Wir machen mit WBA 14 gemeinsam.

Harald Gregor kommt wieder mal mehr als 1 Std. zu spät. Ich mache Aussprache mit ihm gemeinsam mit Henrik Gens. Wie wirksam wird dieser kameradschaftliche Ton sein/bleiben?

23. Mai 1989 – Gerhard Zimmermann

Montag, Juni 15th, 2009


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 Was heißt das?

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# Gerhard Zimmermann war der Staatsfunktionär in einer führenden Funktion, mit dem ich, teilweise in Folge von Zufällen, näher bekannt war. Ich konnte über Jahrzehnte beobachten, daß er wirklich seine ganze Arbeitsfähigkeit einsetzte, um die Aufgaben zu erfüllen, die ihm gestellt wurden und die seiner Überzeugung entsprachen. Vielen galt er im menschlichen Umgang und auch im Umgang mit der Macht als schwierig, wohl zu Recht. Ich habe erfahren, daß er ein offenes Wort (um nicht von “Mannesmut” zu sprechen) zu schätzen wußte. Erst nach seinem Tode wurde mir bekannt, daß er von der SED-Parteiführung zutiefst enttäuscht war. #

C. erzählte mir von Klaus H., dem Bruder von Wolfgang H.: Eines Tages kam sein 12/13-jähriger Sohn zu ihm, der bei seiner Mutter lebte. (Sie waren vor Jahren geschieden worden.) Die Frau war von einer Westreise nicht zurückgekehrt. Drei Tage wartete der Junge auf ein Lebenszeichen seiner Mutter, ging dann zum Vater (zu dem er aber bisher kaum Kontakt hatte).

22. Mai 1989 – Gartenwochenende

Montag, Juni 15th, 2009


herrliches Wetter, fleißig gesenst, Dach ausgebessert, Waschtisch gebaut, Baumpflege.

Lampenkauf in der Prenzlauer Allee: Die vollbusige Verkäuferin, tiefausgeschnitten, aufreizend, geile Phantasien. Beim Bezahlen schaut sie mir fest in die Augen und - gibt falsch heraus.

18. Mai 1989 – “führendste Genossen”

Samstag, Juni 13th, 2009

Gestern: Morgendliche Standpauke für den Lehrgang. Heute nach der Auseinandersetzung besseres Verhältnis zum Lehrgang. Interessantes Mißverständnis: Zu meiner Verwunderung erschien gestern, gleich nach meinem Anpfiff, Harald bei mir. Er stammelte irgend etwas Unqualifiziertes. Ich schmiß ihn bald (gelinde gesagt) ‘raus.  Heute sagten sie mir, daß ich Hartmut Dressel anblickend (und meinend) gsagt hatte: “Harald, Du kommst dann gleich mal zu mir.”…

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Vortrag Volkmar Krinks gut; offene Worte. Später beim Kaffee sagte er, daß es führendsten Genossen - G. Mittag, Honecker - um ihre eigene Unfehlbarkeit gehe. Letztlich seien es einfachste menschliche Triebkräfte: Privilegien und Machtgenuß. Er sei jederzeit bereit, als Kraftfahrer ö.ä. zu arbeiten… Ich wies ihn hin auf die Rezension von Popow zu A. Bek: “Die Ernennung” und borgte sie ihm.

# Volkmar war ein guter alter Bekannter, vor Jahren Absolvent eines unserer Lehrgänge. Inzwischen war er im Ministerium zum Stellvertreter des Ministers für Wissenschaft und Technik aufgestiegen. #

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# Die Steigerungsform “führendst” habe ich übrigens am “Zentralinstitut für Sozialistische Wirtschaftsführung beim ZK der SED” zur Bezeichnung der Politbüromitglieder gehört. Da kam eine seltsame Mischung von Zustimmung, Unterwürfigkeit und Ironie zum Ausdruck. #

16. Mai 1989 – Lehrgang macht Sorgen

Samstag, Juni 13th, 2009

Lehrgang aus Mylau zurück. Ich gebe eine Einführung in die kommende Etappe, appeliere an ihre bewußte Disziplin - und zum Dank ist 15.30 Uhr keiner mehr anwesend, unabgemeldet.                     # Arbeitsschluß war 16.15 Uhr. #  Jetzt gilt es, die Auseinandersetzung zu führen!

Bild von einem nicht weiter aufregenden Film.

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# Das folgende Bild ist nicht nur als Zeitdokument berühmt. “Historisch” ist es auch, weil in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung aufgenommen. #

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12. Mai 1989 – Kontoauszug

Samstag, Juni 13th, 2009

zu Ende gelesen: Christa Wolf, “Sommerstück”

Honecker macht ein riesiges Pfingsttreffen. Wir machen Ferien in Skaby.

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# So sieht mein aktueller Kontoauszug aus. Zur Erinnerung: KWV Mitte: 72,90 M bezeichnet die Miete meiner schönen 2-Zimmer-Wohnung in Berlin Mitte. #

11. Mai 1989 – in der Kassenschlange

Samstag, Juni 13th, 2009

Vorgestern noch lange APO-Leitungssitzung. Danach Aussprache mit D., zunächst angespannt; klärend.

Hans S. erzählte mir, daß im WB 11 etwa 50 Ggenstimmen waren.

Lesen: Christa Wolf,”Sommerstück”

Einkauf in der Ackerhalle. Vor mir in der Kassenschlange eine junge Frau mit prächtig gewölbtem Hintern. Als sie mein Interesse bemerkt, posiert sie ein wenig. Es erregt mich tatsächlich; schnell und schwach (verglichen mit früheren Erlebnissen dieser Art). Ich glaube, sie hätte sich ansprechen lassen. Sie wirkte wie eine, die -noch jung - ihre ersten großen Enttäuschungen hinter sich hat und den Schutz des reifen Mannes zu schätzen weiß.

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09. Mai 1989 – Reiz des Unsichtbaren

Samstag, Juni 13th, 2009


Renate erzählt, Pfarrer Eppelmann habe im Westfernsehen berichtet, daß in 89 (?) Wahllokalen von Friedrichshain insgesamt 4721 Gegenstimmen ausgezählt wurden und nicht die 1611 offiziell angegebenen. Das entspräche 5,4 %.

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# Nicht wegen des hintersinnigen Titels habe ich diese kleine Glosse in meinem Tagebuch festgehalten, sondern weil der Verfasser einer meiner ältesten Freunde ist. Manchmal liest er hier mit,  also:”Grüß Dich, Kalle!” #

08. Mai 1989 - Kommunalwahl

Freitag, Juni 12th, 2009

Klaus W. sagte gestern,

# Er war, wie schonmal erwähnt, der Parteisekretär unserer WPO (Wohnparteiorganisation). Die Partei SED war wesentlich in den Betrieben organisiert. Für Rentner, Hausfrauen und Andere  gab es aber auch die Organisation in territorialer Gliederung. #

daß per 31.12.1988 im WB12 nach polizeilichen Unterlagen 1062 Bürger, davon 888 im wahlberechtigten Alter, wohnten.

Mein WBA erhielt Wahlbenachrichtigungskarten Anfang April für 823 Bürger. Unsere Wählerliste am Wahltag gestern enthielt 842 Bürger, von denen 14 gestrichen waren = 828 (zur Wahl 1986 waren es 847). 6 Bürger standen nicht auf der Wählerliste und wählten auf Wahlschein (1986: 26). Die Gesamtzahl unserer Wahlberechtigten betrug also 834 Wähler (bzw. war so ausgewiesen). Davon waren 340 = 40,8% als Vorwähler (Sonderwahllokal) in der Wählerliste ausgewiesen. Bleiben am Wahltag Wahlberechtigte: 494.

Aus der Wahlurne wurden 390 Stimmzettel gezählt. Wahlbeteiligung am Wahltag also 78,9%, insgesamt # unter Hinzuzählung der uns gemeldeten Wähler aus dem Sonderwahllokal # also 87,5%. Es gab demnach 104 Nichtwähler, 1986 waren es 39.

Es gab 20 Gegenstimmen am Wahltag, das sind 4,05% am Wahltag (1986: 2 Gegenstimmen). Gegenstimmen aus dem Sonderwahllokal sind nicht bekannt. Die 20 Gegenstimmen auf alle 834 Wahlberechtigte bezogen, ergibt 2,39%.

Ungültige Stimmen gab es nicht. Auf 5 Wahlzetteln waren mehr oder weniger viele Kandidaten gestrichen. Diese Zettel wurden als Gesamt -Ja- Stimmen gewertet.  Gegenstimmen (und ebenso Nichtwähler) fast nur jüngere und mittlere Jahrgänge.

In den anderen WB lag die Wahlbeteiligung (nach nicht absolut präzisen Angaben von Klaus W.)

beim WBA 10 bei etwa 86%

beim WBA 11 bei etwa 77%

beim WBA 13 bei etwa 72%

beim WBA 9 bei etwa 72%.

Nach Schätzung meines Wahlvorstands sind ca. 40 Leute in die Kabine gegangen. Aus der Wahlliste gstrichen waren einige bekannte oder angekündigte Nichtwähler.

# also Bürger, die bei früheren Wahlen nicht gewählt hatten oder die in den Wahlwerbegesprächen vor der Wahl offen angekündigt hatten, daß sie nicht wählen würden.#

Andere angekündigte Nichtwähler waren nicht gestrichen.  Danach zu urteilen, daß wir von der Zentrale am Wahltag völlig unbeachtet blieben, lagen die negativen Schwerpunkte woanders. 

# das meint:nicht zu irgendwelchen Feuerwehraktionen verdonnert wurden, etwa um die Wahlbeteiligung zu erhöhen #

Hans S. # Er war der Saatliche Beauftragte unseres Wahlkreises 3 # hatte die folgenden Daten:

Der gesamte Wahlkreis hatte Anfang April 4937 Wahlbenachrichtigungskarten bekommen. In der Folgezeit der Wahlwerbung verweigerten 80 Bürger die Annahme der Karten. 438 Karten gingen wegen Unkorrektheiten an den Stadtbezirk zurück. 80 Karten kamen nach Korrektur vom Rat an den Wahlkreis zurück. Es gab also ziemlich genau 4,5 T Wahlberechtigte.

1000 bis 1200 sollen im Sonderwahllokal gewählt haben.  Insgesamt sollen im Stadtbezirk Mitte 14 T Stimmen im Sonderwahllokal abgegeben worden sein. # bei insgesamt 60654 Wahlberechtigten # Wenn das stimmt, können bedeutende Manipulierungen bereits der Wählerliste vermutet werden.

# Ich meine hier: Auf Ebene des Stadtbezirks sollen 23% im Sonderwahllokal gewählt haben. Auf Ebene des Wahlkreises 24%, auf Ebene meines WB aber 41%. Der große Anteil von Wählern im Sonderwahllokal erschien mir nicht plausibel, und ich war auch mißtrauisch, weil ich keinerlei Informationen über das Wahlverhalten im Sonderwahllokal bekommen konnte. Fazit all meiner analysierenden Bemühungen zum Wahlergebnis war,

- daß alle mir zugänglichen Daten bezüglich Wahlbeteiligung und Gegenstimmen deutlich negativer waren als die veröffentlichten Durchschnittszahlen.

- daß es keinen Grund gab, uns als große negative Abweichung zu betrachten und

- daß meine empirische Daten zwar die Unwahrscheinlichkeit der veröffentlichten offiziellen Gesamtzahlen bewiesen, aber daß meine empirische Basis zu schmal war, um mathematisch die Unmöglichkeit der Gesamtzahlen zu beweisen. #

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