Archive for the ‘Macht’ Category

07.November 1989 – unsere APO (Abteilungsparteiorganisation) handlungsunfähig

Montag, November 24th, 2014

Es war nicht möglich, die APO-Leitung gestern auf diesen Punkt zu bringen. # d.h. sie dazu zu bringen, daß sie meinen Beschlußentwurf bestätigt .#

Daraufhin habe ich heute dieses Papier fertig gemacht und D. # dem für Parteiinformation Verantwortlichen der Grundorgaisation # abgegeben.

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Von dieser Leitungssitzung gestern C. erzählt, was bei ihr die Überlegung auslöst, noch 2, 3 Monate zu prüfen, ob die SED wirklich reformfähig ist und dann – bei negativer Entscheidung – auszutreten und sich dem “Neuen Forum” anzuschließen.

Mit Rolf Bauer gesprochen, wir wollen uns Gedanken zur neuen Rolle des WBA machen.

08.November 1989 – unsere GO (Parteigrundorganisation) handlungsunfähig

Sonntag, November 23rd, 2014

Sich überschlagende Ereignisse, MR # Ministerrat – die Regierung # zurückgetreten. Nur die SED-(Führung) tritt weiter auf der Stelle.

G. # der Parteisekretär unserer Grundorganisation # sagt, daß im Politbüro Krenz und Schabowski allein stünden.

Agitatorenanleitung heute mit D. und G., ich trage die entscheidenden Passagen meines Papiers vom 7.11. vor. Die Diskussion, von Lehmann, mir und Matthias getragen, ist entschieden. Aber kein Ergebnis, Blockade durch die Verantwortlichen.

Abwarten. SED-Genossen warten ab und führen dann Weisungen aus!

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Gestern etwas mit Erfolg getan: Die Platte für die Modelleisenbahn von F. mit ihm gemeinsam angefangen umzubauen.

09.November 1989 – Parteikonferenz? Sonderparteitag?

Samstag, November 22nd, 2014

Gestern vorm ZK-Gebäude die Demonstration von Genossen. Es sind die konsequenten Erneuerer. Zu ihnen rechne ich mich. (Dr. Brie)

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# Krenz-Vorschlag für neues Politbüro #

Abends in der Rheinsberger 61 Beratung zur Volkssolidarität mit Wandrei, Friedrich, Freiberg, Nitschke, Kluge. Wir haben es geschafft, wieder Leute für einen arbeitsfähigen Vorstand zu gewinnen.

Ich meine – in der Diskussion mit C. – daß die Partei einen neuen Anfang macht. Sie versteift sich weiter aus “Nein”.

Es heißt (Quelle Schabowski), daß Honecker und Mielke den Befehl zum Einsatz der Sicherheitskräfte am 9.10. in Leipzig bereits gegeben hatten.

Kerstin erzählte, daß Bekannte noch am 4.11. an der Teilnahme an der Demo gehindert worden seien.

Ich komme kaum zum Arbeiten.

Heute Abend große WBA-Beratung.

Die Frauen hier an der ZF (und der Lehrgang) vertrauen mir.

Fr. # unser amtierender APO-Sekretär # überraschte mich gegen Mittag (auf Anfrage der Kreisleitung) mit der Frage, ob ich für eine Parteikonferenz sei oder für einen Sonderparteitag. Ich hatte erst Stunden zuvor im Statut nachgelesen, was beide Gremien können und war nun eindeutig für außerordentlichen Parteitag. 2 Std. später informierte er mich, daß das ZK nun schon beschlossen habe, Parteikonferenz durchzuführen. G. wolle nun den GO-Standpunkt gar nicht mehr der KL geben. (86% der Genossen unserer APO waren für Parteitag.) Fr. vertritt morgen beim Zusammentreffen aller APO-Sekretäre die Forderung “Sonderparteitag”.

Böhme sei schon wieder aus dem Politbüro ‘rausgepurzelt. (Was sollen Lange und Müller da drin?) Und Schürer?

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10.November 1989 – rasende Zeit

Freitag, November 21st, 2014

Renates Mann, Siegfried, spazierte vergangene Nacht zwischen 0 Uhr und 2 Uhr in Westberlin herum. Fremde prosteten einander mit Sekt und Wein zu.

891110-1.jpg Gestern gute WBA-Sitzung zur Versorgungssituation.

C. und ich hörten gestern gegen 22 Uhr vom Westfernsehen von den neuen Reiseregelungen Das Westfernsehen berichtete da, daß die ersten DDR-Bürger schon kämen Ein Übergang (Welcher?) wurde gezeigt, wo noch keiner durchgekommen war; der Reporter vor Ort sagte aber, daß sie telefonisch wüßten, daß Bornholmer Straße schon DDR-Bürger durchgelassen worden seien.

Die Mauer wird geöffnet.

Ich bin erschreckt vom Anblick derer, die am Brandenburger Tor auf der Mauer sitzen.

Beratung mit HoDö über freiwillige Arbeit.

Abends Kundgebung im Lustgarten.

Anruf von Roderich – wie ich’s fände.

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21. März 1990 – Unfähigkeit des Systems

Dienstag, November 11th, 2014

Am 9.11.89 die Grenze aufzumachen, nannte Modrow gestern im Gaus-Interview schlicht eine Panikreaktion. Genauso sehe ich das auch.

Absolute, groteske Unfähigkeit des Systems!

#Die erschreckenden, weil prinzipiellen Grenzen des realsozialistischen Systems wurden mir erst allmählich bewußt. Bis heute (2014!) ist die prinzipielle Kritik des Systems, die zugleich mit der prinzipiellen Verteidigung seiner Errungenschaften einhergehen muß, nicht geleistet. Das belegt jüngst diese Erklärung der Partei “Die Linke” zum 25. Jahrestag des Mauerfalls.#

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Meine Schuld: Ich habe darauf verzichtet, mir darüber konsequent Rechenschaft zu geben. Bin nicht zum gesamtgesellschaftlichen Bewußtsein emporgestiegen. Das von Marx so bezeichnete “enorme” Bewußtsein habe ich nicht erreicht.

Las mit Interesse Iljin in “Neue Zeit”.

Heute morgen beim Aufwachen lebhafte Erinnerung an den exotischen Fick mit Lilo Mürü. Ebenfalls erinnert an den Leistungsfick mit Irmelin K.

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In mühevoller Arbeit aber letztlich erfolgreich habe ich das Aktivitätsdatenerfassungsprogramm erfolgreich beendet.

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#Erste Seite des erwähnten mehrseitigen Beitrags von Iljin. Wird gegebenenfalls auf der Dokumentenseite nachgeliefert.#

20. März 1990 – vorläufiges Ergebnis der Wahl

Dienstag, November 11th, 2014

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Deineka 1944 – ein Bild, das man nicht so bald wieder sehen wird.

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Nur TASS hat diese weiterführenden Gedanken gehabt. (Hat genauer hingesehen als Viele.)

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Genau – das glaube ich auch. Nun braucht es Kohl nicht mehr eilig zu haben.

Abends Besuch von Frank Wechsung, Gedankenaustausch.

#Frank war mit der Auflösung der Betriebsparteiorganisationen neu in unsere Wohngruppe der PDS gekommen. Er war problemorientiert und diskussionsfreudig. Wir verstanden uns gut.#

18. März 1990 – Schicksalswahl

Montag, November 10th, 2014

Weiter fleißig im Garten. Alles zur Vorbereitung der Zaunarbeiten nächste Woche. Schönster Tag. Gartenpflege, Gartenfreude.

Abends ins Wahllokal und zum PDS-Vorstand.

Das Ergebnis im Wahllokal des WBA 12:

Wer sich hinter welcher Listen-Nr. verbirgt, ist aus dem Vergleich mit S. 170 #Musterwahlzettel# zu entnehmen. #Die Listen-Nr., auf die keine Stimmen entfielen, habe ich hier weggelassen.#

Listen Nr.     Stimmenzahl    Prozentzanteil

1                   2                        0,3

3                   48                      6,6

4                   22                      3,0

6                   159                   21,9

8                   3                        0,4

9                   8                        1,1

12                 22                     3,0

13                 1                       0,2

16                 16                     2,2

17                 1                      0,2

18                1                       0,2

19                152                   20,9

20                290                  39,9

23                1                       0,2

Es wurden 728 Stimmen abgegeben. Anzahl Wahlberechtigte 819.

#Daraus ergibt sich eine Wahlbeteiligung von 88,9%; hatte ich damals nicht ausgerechnet.#

Der Wahlsieg der CDU hat mich überrascht. Ich erwarte, daß eine große Koalition mit der SPD zustande kommt und das ist die schlechtestmögliche Variante.

Der DDR-Bürger (der er formal gesehen noch ist) hat die DM gewählt und die Macht. Daraus erhofft er sich Wohlstand (Genuß) und Sicherheit. Die Regierenden werden den Drahtseilakt vollführen müssen zwischen dem Wunsch der DDR ler nach dem schnellen Geld und der Entschlossenheit des Westlers nichts abzugeben.

Meiner Ansicht hat dieser Drahtseilakt nur geringe Erfolgschancen. Der Prozeß der Vermittlung beider Interessen wird stattfinden aber darüber werden die Regierenden stürzen. Jedoch – eine kleine Chance haben sie – und die heißt Große Koalition. PDS hat sich erstaunlich und erfreulich gut behauptet. Aber natürlich haben wir mit der Machtausübung nichts mehr zu tun.

Im Wahllokal bei der Stimmauszählung auch Kerstin Kluge und Peter Kampowski. C. deprimiert wegen “Bündnis 90″ und Grünen.

Das Leben muß immer weiter gehen.

09. März 1990 – mein persönliches Wahlflugblatt

Sonntag, November 2nd, 2014

Erfolgreicher Abschluß Dreitageskurs.

Nachher Infostand PDS?

Ich habe mein Flugblatt neu geschrieben und vervielfältigt. Ich werde es in der nächsten Woche allen mir im Wohngebiet bekannten zustellen. # Hab es 90x verteilt #

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26. März 1990 – Brief an Unbekannt

Donnerstag, Oktober 30th, 2014

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Die Marktwirtschaft ist da.

#Die Grundstücks- und Hauspreise bewegten sich ab sofort in Phantasieregionen. Der Quittungszettel von Herrenmode Dresden betrifft einen gerade gekauften Sommermantel. Anmerken möchte ich hier aber, dass ich keineswegs Verfechter unserer Politik der vielen wahnwitzig subventionierten Preise war.#

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Das sitzt tief!

Jetzt Wohltaten!

Sofort!

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Ein Artikel mit etlichen klugen Bemerkungen von Adorno.

#Der Artikel aus der “taz” vom 19.3. ist hier als pdf einzusehen.#

#Im Folgenden ein Brief an “Unbekannt”. Den Text der “taz”, auf den ich mich beziehe, finde ich im Tagebuch nicht. Es ist zu sehen: Die Einsicht in den Untergang der DDR, war bei mir sofort mit der Überzeugung verbunden, dass gründliche Neubesinnung notwendig sei.#

“Die Ereignisse der Zeit zwingen zur Neubesinnung. Ihr dazu in der “taz” veröffentlichter Text hat mein Interesse geweckt. Ich würde gern mehr wissen über Ihre Informationen, Materialien und Gedanken über eine andere “Dritte Welt Arbeit” – aus der Sicht eines in das deutsche Drama Gestellten.

Ich war fast dreißig Jahre Mitglied der SED, bin jetzt Mitglied der PDS und hoffe, daß Sie diese Tatsachen nicht von vornherein als unvereinbar mit dem Wunsch nach tiefgründiger Neubesinnung und Neuorientierung ansehen.

Mit freundlichem Gruß an Unbekannt

Dr. Klaus-Peter Kurch

Arkonaplatz 3

Berlin 1058.”

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 #Einladung zur Mitgliederversammlung der PDS-Wohnparteiorganisation. Zukunftsbedeutung für mich hat, dass es dabei auch um die Aufstellung der Kandidaten für die Kommunalwahlen ging. – Ich sehe gerade das Versammlungsdatum 27.3. Vermutlich ist diese Einladung versehentlich auf die Seite des 26.3. im Tagebuch gerutscht.#

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#Antwortbrief von Kurt Riemer, vergl. hier aber auch hier.#

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#Zum Schluß dieses 26.3. verlinke ich auf ein Dokument, das ich ins Tagebuch eingelegt hatte. Es handelt sich um einen Artikel aus der Monatszeitschrift “Das Magazin” (DDR-Kultzeitschrift seit 1953 mit dem “Republiksnackedei”, dem monatlichen Aktfoto; DDR-Auflage, glaube ich, bis zu einer Million). Das “Magazin” um- und umgewendet erscheint auch heute noch. Der damalige Artikel von Manfred Gebhardt ist überschrieben: “Der Tod des Kreissekretärs” und erschien in der Nummer 2/1990. Er ist eines der damals (und noch mehr heute) seltenen Beispiele dafür, dass man “SED-Bonzen” vielleicht auch als Menschen verstehen könnte.#

27. März 1990 – Kandidatenaufstellung für Kommunalwahl

Donnerstag, Oktober 30th, 2014

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#Mein Gehaltsstreifen von März 1990.#

Gestern mit C. Einkauf, hernach in der Gaststätte am Fernsehturm (66,-M). Ein guter Anzug in den Rathauspassagen kostet 1135,-M. Dazu konnte ich mich nicht aufraffen.

Die heutigen Vorträge sind wieder ordentlich angelaufen. Sehr interessantes und vielleicht sogar Perspektiven eröffnendes Gespräch am Schluß mit Prof. Dr. Straßmann.

Am Abend WPO-Versammlung. Sie hat u. a. die Kandidaten für die Stadtbezirksversammlung zu wählen. #Berliner Stadtbezirk Mitte.# Ich werde nominiert. 6 werden nominiert. Der Vorstand gibt völlig willkürlich die Reihenfolge der Kandidaten vor (Wuttig, Filter, Polster oder ich…). “Sichere” Listenplätze sind der erste und zweite. Protest aus der Versammlung und basisdemokratischer Entscheid, dass ich auf den ersten Platz komme, 2. Polster, 3. Wuttig, 6. Filter.

Danach Kandidaten für die Stadtverordnetenversammlung. Die Versammlung hat ihr Pulver verschossen, und da wird vom Vorstand der Joker “Pohnke” angeboten. Er wird auch als einziger Kandidat gewählt. Wuttig raunt mir zu, daß er eigentlich mich dafür im Auge hatte. (Das sagte er, nachdem alles gelaufen war.)

Ein erstaunliches Maß an Vorstands-Manipulation wurde da sichtbar. Und stark auch die Abschottungsideologie in der Partei.

#Vom ersten Tag an der neuen Partei mache ich Erfahrungen, die mir unangenehm aufstoßen.#

Ich spreche mich nachdrücklich für weitere Erneuerung unserer Partei aus, führe das aber nicht sehr viel konkreter aus.

Nächtliches Gespräch noch mit Cärmel zu Fragen ihrer Arbeit.