Archive for the ‘F., Söhne’ Category

11. September 1989 – “alte Leute”

Freitag, Oktober 16th, 2009

Schönes sommerliches Wochenende in Schmachte. Weinstöcke „Blauer Portugieser“ und „Siegerrebe“ gesetzt. Pflanzung weißer Johannisbeere und zweier Loganbeeren. Badefahrt zum Tonsee.

Wichtige Artikel in der BR („Budapester Rundschau“) 36/89 und NZ 34/89 zum Hitler/Stalin-Pakt und seinem Umfeld.

F. erzählte im Gespräch von älteren Leuten…? - von 40- bis 45-Jährigen. So stehe ich auf einmal im Reich des Alters! Er erzählt, daß er Mückenlarven für eine Fische fängt:”Sie sind etwa 8x so lang wie eine Blattlaus.”

14. August 1989 – Urlaub

Donnerstag, Oktober 15th, 2009


Tage mit F. und C. in Schmachte vom 4.8. bis 14.8.: Laubenbemalung, Spaziergänge, reichlich Pilze, täglicher morgenlicher Dauerlauf, abends Federball, Äppelklau, Baum gefällt (gefährlich nah in Richtung von Nachbars Laube), Baum zerlegt, Fahrradausflug zum Briesetal (am Sperrgebiet entlang).

C. mit Neigung zur Bissigkeit gegenüber F. (Sie meint, daß sie durch seine Gegenwart nicht genügend Zuwendung bzw. Zärtlichkeit von mir bekommt.) Nachts Feier-Radau, jetzt tags Baumenschen-Radau.

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Badefahrt zur Tongrube, abends Petroleumleuchte. Spazierfahrt zum Grabowsee, völlig verschmutzter Badestrand.

F.mit seiner Mutter nach Berlin zurück. Wehmütige Gedanken an F. beim Einschlafen. Trennungsgedanken. Lieber Urlub mit F. und mit C. getrennt machen.

Mit C. morgen zur 2. Etappe Urlaub nach Carwitz.

06. Juli 1989 - politische Krise und persönliche Krise bedingen sich

Montag, Juli 6th, 2009

Ruhiges Gespräch mit C. über das Deprimierende unserer Lebenssituation. (Ihre Kollegin, Frau Schmidt, war in grotesker Weise 1 1/2 Monate in den Kampf um eine Jugoslawien-Reise verwickelt, die ihr nun abgelehnt worden ist. Frau Müller erzählte von einigem Drumherum um den Hausbau für Katharina Witt und erzählte, daß es in Hohenschönhausen Häuser bzw. Wohnungen für Stasi-Angehörige gebe, deren jede mit Sauna ausgerüstet sei.)

C. klagte über Magenschmerzen, sie meinte, aus diesen Gründen. Mir geht es ja ganz ähnlich, wenn ich gegen Beton renne.

Der kürzliche VP-Geburtstag, die Agitatorenanleitung - das Fehlen jeglichen Selbstzweifels bei dieser Nomenklatura. Das Fehlen jeglicher Wahrhaftigkeit. Es läuft darauf hinaus auf das unverblümte Bekenntnis zur Macht. Jedes Mittel ist Recht und wird geheiligt, das die Macht stabilisiert. Absolute Verneinung jeder anderen Position. Massenhaftes offenkundiges Mittel: Das Totschweigen.

Das Trommeln an der Kirche gegenüber der Ackerhalle klingt mir (leider?) wie Musik (auch gestern wieder).

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Was tun? Wo doch fast jedes Tun unmöglich ist.

Möglich ist - Anpassung, Resignation x

- Märtyrer/Kampf xx

- Aussteigen xxx

x Das kann ich nicht wegen Gewissen und F.

xx Das kann ich nicht aus Schwäche und Realismus.

xxx ?

C. erzählte, wie sie eingesetzt werden sollte, um von dem Verbandssekretär Prof. Ulbrich (”PU”), der am Moskauer Filmfestival teilnimmt, früh um 6 Uhr ein Telefonat aus Moskau entgegenzunehmen, mit dem er das Freßpaket anmeldet, das ihm (natürlich auf Verbandskosten) nachgereicht werden soll.

R. will nach Westberlin zu einem Begräbnis fahren. Ich werde ihr Urlaub geben.

In der gestrigen Agitatorenanleitung wurde informiert, daß in diesem Jahr, verglichen mit dem Vorjahr, 50% weniger junge Leute den Weg zur Partei gefunden hätten. Deshalb Honeckers “großzügige Geste”. Es sei nicht gelungen, die Jugendlichen an die Wahlen heranzuführen. Wieder habe man den Fehler “großer Foren” gemacht. (So werden am Schluß die armen Schweine, die “vor Ort” organisieren, noch beschimpft.)

 

# Die Eintragungen dieser Tage geben mir zu denken. Mehr dazu im aktuellen Opablog. #

05. Juli 1989 – das Totschweigen!

Samstag, Juli 4th, 2009

Gestern F. und L. zur Bahn gebracht, nach Rumänien/Bulgarien.

C. erzählte von der kontroversen Diskussion bei der Vorstandstagung des VFF # VFF- “Verband der Film- und Fernsehschaffenden”, wo sie arbeitete # und davon, wie Erich Hahn unter aller Kritik aufgetreten sei.

Heute Agitatorenanleitung im MSAB. Ich bin mal wieder dabei. Denda und Ritter greifen den Bericht M. Dittrichs an (zur “Konterrevolution in Peking”, er selbst ist nicht da.) Ich nehme noch einmal zur Kommunalwahl Stellung. Ich erlebe wieder, (genau wie C. am selben Tag) die Taktik des Nichreagierens der Verantwortlichen, des Totschweigens.

Tiefe moralische Krise unseres Systems!

Hab’ wieder etliche APN-Broschüren gekauft, so auch N. Schmeljow - überzeugende Qualität!

# APN-Broschüren - APN war ein sowjetischer Verlag, der aktuelle politische Materialien fremdsprachig, darunter auch in deutsch veröffentlichte. In Berlin war es möglich, diese Perestroika-Literatur (die inzwischen offiziell verpönt war) im HdSWK, dem “Haus der sowjetischen Wissenschaft und Kultur” in der Friedrichstr. zu bekommen. #

 

01. Juli 1989 – Garten

Samstag, Juli 4th, 2009

F. erhielt gestern sein Zeugnis, gut; aber mit drei in Mathematik (jedoch 2 in Mitarbeit). Dann zusammen mit C. nach Schmachte. Sensaktion in Sch., Freude am Garten, Vorlesen:”Die Regulatoren in Arkansasas”, Wasserspiele, Laubenbemalung von F., C. macht mit. Bewässerung - zugleich Entwässerung des Planschbeckens mittels Schläuchen. F. beschäftigt sich gern damit. Anfang der Beerenernte, gutes Wachstum der Pflanzen, auch der Weinreben.Vorstellungen der weiteren Gartengestaltung.

27. Juni 1989 – Garten und mehr

Freitag, Juni 26th, 2009

APO-Versammlung (Lethargie),

Film von A.. German “Straßenkontrolle” - wir gehen nach 1 Stunde - kein sehr bedeutendet Film. C. las gestern einen guten Text des Schriftstellers Saalmann, über den Moralzustand der DDR bzw. in der DDR.

Telefonat mir F., dem die Damperfahrt sehr gut gefallen hat. Er zählt eine Menge Daten des Dampfers auf (18kn).

Das Wochenende in Schmachte mit enorm viel Lesen der “Neuen Zeit”.

Weitere abschließende Arbeiten am Haus, Gartenpflege. Es leben erfreulich viele Farne. Der Wildwuchs der Gräser. Die junge einsame Heckenrose will sogar blühen. Der Garten ist grüner als zu erwarten war. Brennesseln vertilgt. Die Beerenbüche machen Freude. Der kleine (doppelt) geschädigte Weinstock scheint sich zu erholen. Glück gehabt: 35m 3/4-Zoll Gartenschlauch gekriegt. Die eigene Joghurtproduktion ist angelaufen.

# Zum Thema Versorgung: Meine Joghurtproduktion klingt nach Freude an “do it yourself”, war es aber nur zum Teil. Es ging auch darum, sich wirklich zuverlässig mit Joghurt zu versorgen. Selbst in dem bevorzugt belieferten Berlin konnte ich in letzter Zeit oft, wenn ich nach der Arbeit zur Kaufhalle ging, keinen Joghurt mehr bekommen. In hochsommerlichen Hitzeperioden war es normal, daß im Berliner Umland in den Lebensmittelverkaufsstellen nur einmal pro Woche Bier angeliefert wurde. Man kaufte dann gleich einen ganzen Kasten, hatte also zu Hause dennoch Bier vorrätig aber die Verkaufsstellen waren leer.#

Dieter Papsch sagte gestern, daß den SAB # Schwermaschinen- und Anlagenbau # seit vorigem Jahr 4100 Arbeitskräfte verlassen hätten. Das Getriebewerk Penig hat seit Ende 88 einen Abgang von 120 Arbeitskräften, überwiegend Produktionsgrundarbeiter, davon 20 Ausreiser.

22. Juni 1989 – turbulente Zeit

Freitag, Juni 26th, 2009

Turbulente Zeit, hohe Belastung, bedingt einerseits durch das eingeleitete Disziplinarverfahren gegen Gr., andererseits durch weitere Leitungsprobleme (Gespräch mit Nachfolger) und gesellschaftliche Arbeit (Wahlkreisaktivtagung, WBA usw.). Sehr guter Zusammenhalt mir C., die mir in der Sache Gr. gut geraten hat. Erfolgreiche Diskussion der Einzelarbeiten im Lehrgang, nötig ist ein guter Übergang zur Kollektivarbeit.

Dienstag kleiner, schöner Besuch bei F. Ich freue mich auf das Wochenende.

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30. April 1989 - Ausflug nach Münchehofe

Donnerstag, Juni 11th, 2009

Gestern und heute Zweitagesausflug mit C. und F. # der damals 9 Jahre alt ist # nach Münchehofe.890430ap1010001.jpg

Nach und nach kriegten wir bestes Wetter. Wir tippeln (nach ausgezeichnetem Essen in Buckow) fleißig am Stobber entlang über Pritzhagener Mühle

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nach Münchehofe. Wunderbare Natureindrücke. Nach Quartier noch (zu) anstrengender Rundgang um den Klobichsee, Tagessumme 20 km. gute Unterkunft, ausgezeichneter Schlaf.

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Heute: Einige Fotos, vormittags Spaziergang Germersdorf, unentwegt schön. Rückweg nach Buckow über Frühstückseiche, langer Grund - Eisdiele.Wieder 20 km.

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# Damit kein Irrtum aufkommt: Die Waldelfen haben wir nicht getroffen, und das letzte Foto ist nicht von mir. #

07. März 1989 - ein Brief zum Geburtstag

Sonntag, März 29th, 2009

Lieber C. 7.3.89

Zum Geburtstag möchte ich Dir ja gern mal wieder schreiben, da ich aber nicht weiß, ob Deine Cottbuser Adresse noch gültig ist, schreibe ich sicherheitshalber nach Hause, “zu Muttern”….

Von mir gibts manche Neuigkeit mittlerer Bedeutsamkeit zu berichten. So habe ich seit gut einem halben Jahr eine neue Wohnung bekommen, hoch über dem Arkonaplatz im 6. Stock. Dort gefällt es mir sehr gut. Es war sozusagen meine Wunschwohnung (2 Zimmer, hell, geräumig). Ich bin ja in diesem Wohngebiet seit etlichen Jahren als WBA-Vorsitzender verwurzelt, falls Du Dir unter dieser Funktion etwas vorstellen kannst. Die Wohnung habe ich bezogen mit dem Gefühl, daraus vielleicht nie wieder auszuziehen - das war ein wenig eigentümlich.

Meine Arbeitsstelle hat sich nicht verändert. Allerdings ist mein Leiter in Rente gegangen, und ich habe seit einem Vierteljahr den Auftrag, mein eigener Leiter und Mitarbeiter zu sein. So kann das nicht lange gehen. Aber eine notwendige Entscheidung wird verzögert. Diese zwiespältige Situation ist unangenehm, aber sie belastet mich nicht ernsthaft. Ehrgeiz ist für mich seit langem kein Motiv mehr, und ob ich nun Leiter oder Mitarbeiter bin - in beiden Richtungen kann ich sinnvoll arbeiten. Nur eben nicht in beiden zugleich. In den letzten 1 1/2 Jahren hab’ ich Einiges getan, um mit einem Personalcomputer arbeiten zu können - eine interessante und befriedigende Sache.

Natürlich besteht nicht das ganze Leben aus Arbeit, keineswegs. Seit einem Jahr (übrigens fast auf den Tag genau) bin ich mit meiner Gefährtin C. zusammen. Sie ist sehr intelligent, empfindsam und eigenwillig (ich weiß nicht, was am meisten), und wir haben in dieser Zeit oftmals miteinander gerauft. Mit dem Ergebnis, daß wir uns immer besser, einfach großartig verstehen. Sie hat in dieser Zeit eine schwere Krankheit durchgemacht, und wir hoffen mit aller Kraft, daß sie endgültig überstanden ist.

Mit F., den ich Euch einmal als Baby angeschleppt habe, der natürlich bei seiner Mutter lebt, bin ich oft zusammen. Wir verstehen uns prima. Oft sind wir auch alle drei (also mit C.) am Wochenende zusammen in der Laube, in Sch. Das kleine Grundstück dort ist (und bleibt) ganz schön wild. Spaß macht es mir aber, Obstbäume, Beerensträucher, Weinreben zu pflanzen und zu betreuen.

Nun habe ich schon 2 1/2 Seiten Briefbericht gegeben und noch kein Wort zur “Boletik” gesagt. Daraus ist nicht zu schließen, daß ich mich davon zurückgezogen hätte (dagegen spricht ja auch die WBA-Funktion). Nein, das nimmt großen Raum ein. Ich habe u.a. die sowjetische “Neue Zeit” abonniert, C. die “Budapester Rundschau”, und oft diskutieren wir heftig Artikel, die wir dort gelesen haben. In der Partei und bei vielen anderen Gelegenheiten mache ich oft das Maul auf gegen die vielen unakzeptablen Erscheinungen, die sich in diesem unseren Land breitmachen.

Ich vermute, daß Du die Verhältnisse als nicht weniger mühselig erlebst. (Freilich ist es nur Vermutung.) Man braucht einen langen Atem aber ich verliere nicht den Optimismus, daß auch bei uns, was sich an Spätstalinismus fortschleppt, niedergerungen wird. (Das sei gesagt, auch wenn es möglicherweise Mutter verärgert, wenn sie davon erfährt.)

So leb ich arbeitend, oft gespannt, nicht unfroh, oftmals sehr froh, älter werdend, kaum krank, von meinen drei Ältesten leider fast gänzlich abgekoppelt und denke an Dich und Euch, nicht zuletzt anläßlich Deines Geburtstags, ganz herzlich.

Vati.

25. Januar 1989 - fehlende Öffentlichkeit

Montag, Februar 16th, 2009

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War gestern Abend im Konzert. Es war schön. Bei Bachs Triosonate hatte ich das Gefühl, daß ich alles mit weiser, verzeihender Gelassenheit nehmen sollte. Dann aber, des Abends, C. gegenüber, hatte ich nur Fremdheit in mir. Es wäre alles nicht so schlimm, wenn da nicht immer wieder der alte Verdacht wäre…

Anleitung beim Parteisekretär - stramme Führung durch unsere Partei - es ist deprimierend, durchgreifende Disziplinierungsübungen, Wirbel um das Kampfprogramm der GO. # Grundorganisation der SED #

Lehrgang startet in die Kollektivarbeit. Jetzt in der Vorbereitungsphase war viel Leerlauf. Sorgen um die Quartiere.

# Aus einem Brief an die Großmutter von F. nach Wasungen. #

 “… Die Tage hier - vermutlich anders bei Euch - vergehen eilig. Anscheinend geht das ganze Leben rasant vorbei. Die Tage sind nicht leer, nein angefüllt mit Getöse, sogar übervoll, es schwappt ständig über. Trotzdem, es gibt nicht nur Getöse. Oft schaffen wir uns Augenblicke, kleine Gewichte wirklichen Lebens. (Das erfordert viel Mühe, viel Widerstand.) Quälend ist aber sehr, daß die kleinen Momente wirklichen Lebens, die man als Einzelner oder paarweise schafft, in dieser unserer Gesellschaft so gar keine echte Resonanz finden. (Dabei suchen so viele Einzelne Resonanz. Aber alle sind sie eingemauert und in Watte gepackt. Da entsteht keine öffentliche Resonanz.) Gruß”