Archive for the ‘Geschichte’ Category

24. Dezember 1989 - Kurt Gerron

Donnerstag, November 24th, 2011

Weihnachten im Club der VS. # Volkssolidarität #

Pute zu Mittag.

 

# In einer Ausgabe der populären Zeitschrift „Magazin“ (Welche Nummer?) fand ich diesen hochinteressanten Bericht über die Entstehung des Nazi-Propagandafilms „Theresienstadt“, Regie: Kurt Gerron (bekannt aus der Uraufführung der „Dreigroschenoper“). Der Artikel ist von dem geschätzten Filmkritiker und Journalisten Fred Gehler. #

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22. Dezember 1989 - Menschenänderung

Donnerstag, November 24th, 2011

# Artikel v.  A. Brie gegen die Wiedervereinigung. Wie sich Menschen verändern können, darüber, muß ich aus diesem Anlaß mal im opablog nachdenken. #

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Unsere, meine Schuld besteht darin, auf die Kontrolle der Macht verzichtet zu haben. Diese Pflicht haben wir missachtet und uns freiwillig mit diesem Zustand abgefunden. Das bisherige Machtsystem war demokratiefeindlich. 

Der Verbrecher Ceauchescu wurde gestürzt.

Am Brandenburger Tor, das heute geöffnet wird, deutsche Nationalfarben. Auf dem Rückweg treffe ich R.s Mann und habe zur Weiterbildung (ZF) gleich einen Wortwechsel mit ihm. 

# Der Mann meiner langjährigen Kollegin R. Wir waren durchaus einander freundlich gesinnte Bekannte gewesen. Man half sich gelegentlich. Man war auch mal  in derselben Zeit in demselben Urlaubsheim. Jetzt überraschte er mich mit einer triumphierenden Bemerkung, daß es nun mit unserer Art der Weiterbildung an der ZF (meiner Arbeitsstelle), der marxistisch-leninistischen zu Ende sei. Ein kleines Beispiel dafür, wie in dieser Zeit Normalitäten, Gewißheiten (ob berechtigte oder nicht) von einer Minute zur anderen zusammenbrachen. #  

 

Dies halte ich hier fest als die letzte Zuckung des Pfaffenschlager-Sekretariats (das aber eine appetitliche Sekretärin hatte).

 # Es geht um das Kreissekretariat der NF („Nationalen Front“), auch das ein trauriges Kapitel des endlosen Themas „formale, inhaltsleere sozialistische, zudem noch piefige Demokratie“. #

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16.-18. Dezember 1989 - Besuch der Verwandten in Coburg

Dienstag, November 22nd, 2011

# Die Seite des Tagebuchs mit der Coburg-Touristenwerbung # 

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Im Bayernkurier ist man sehr deutlich zu strategischen Fragen, ganz besonders der Eigentumsfrage

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# Unsere Tante ist aktive ÖTV-Gewerkschafterin und klärt uns über bundesrepublikanische Einkommensverhältnisse auf. #

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# Zu Hause ein geschichtlich-politischer Artikel von Kurt Finker, wahrscheinlich im “ND” #

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 # Es muß verwundern, daß ich über den Verwandtenbesuch selbst faktisch nichts geschrieben habe. Tatsache ist, daß die Beziehung zu den Coburger Verwandten völlig abgerissen war (und es auch geblieben ist). # 

07. Dezember 1989 - schwere Arbeit - Zeitungsschau

Dienstag, Dezember 8th, 2009

Schwere Arbeit! (9 1/2 Stunden), 20 Kunden mit Geflügel beliefert (Trinkgeld 17,-M:2, zwei Mahlzeiten).

# Vielleicht erscheint es als Zumutung nachfolgend einen Zeitungsausschnitt nach dem andern einzustellen. Mein Tagebuch sieht wohl deshalb so aus, weil ich von der Arbeit wirklich erschöpft war und keine Kraft zu langen Einträgen hatte. Andererseits waren die Zeitungen voller bisher ungehörter Stimmen, und ich verfolgte sie intensiv. Es herrschte das Gefühl eines unerhörten Tempos. Das Leben schien sich täglich zun beschleunigen. Ohne mein Zutun. #

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# Gibt es eine gründliche, wissenschaftliche Darstellung und Analyse der Arbeit des Ausschusses zur Untersuchung der Ereignisse vom 7. und 8. 10.1989? Ich weiß es nicht. Wie hier schon früher dargestellt, haben auch mich diese Ereignisse stark beeindruckt und beeinflußt. Den Untersuchungsprozeß habe ich nur am Rande verfolgt, bin aber sicher, daß er prinzipielle Einsichten in die Denk- und Verhaltensweisen von Mächtigen in der Endphase der DDR ermöglicht. #

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# Solche Bedenken waren neuartig. Beobachtungen einer Telnehmerin an den Leipziger Montagsdemonstrationen. Ein Bild von Differenzierung, wie es heute nach 20 Jahren längst unter die Räder der offiziellen “historisch-heroischen Erinnerung” gekommen ist. #

 # Es folgt ein repräsentatives Meinungsbild der DDR-Bevölkerung von Ende November 1989.#

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# Und zwei interessante, sensible Stimmen, die im “Sonntag” (Vorläufer des “Freitag”) zu finden waren. #

03. Dezember 1989 - zwei Flugblätter der SDP

Sonntag, Dezember 6th, 2009

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Der Rundfunk (West) meldete Kulturminister Keller habe Rücktritt des Politbüros gefordert, Hungerstreik in Bautzen I,

C., die sich zu ihrer Frauenveranstaltung (Volksbühne) 10.00 Uhr fertig machte, überraschte mich soeben mit der Frage, ob ich gerne einen Kakaokuchen, d.h.einen sog. “kalten Hund” möchte. Auf diese indirekte Art erfahre ich, daß sie erst nachmittags zurückzukommen gedenkt. (Ich denke sie will sich an der “Menschenkette durch die DDR” beteiligen, eventuell auch mit Gilbert treffen dabei.) Daran ist nichts Schlimmes, nur daran, daß sie zu mir nicht offen ist, wie eh und je. Nun also wieder Unfreundlichkeit, Verstimmung - hols der Teufel!

F. bei mir.

01. Dezember 1989 - Die Krise der SED treibt zum Höhepunkt

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Konzeption ZF mit N. # meinem Chef # abgestimmt. # Hat was Groteskes, das wir weiter an der Zukunftskonzeption unserer Einrichtung gearbeitet haben. #

Skandal Gotsch/Lauck um Parteitagskandidierung, Achim Döhler ist auf Draht. Charakteristisch Wohlbür und Fischer Franz.

# Plötzlich erscheinen in meiner Abschrift Namen statt nur Anfangsbuchstaben. Zugleich keine Beschreibung der Vorgänge. - Ich möchte damit die Turbulenz der Ereignisse dieser Tage andeuten. Der Wirbelsturm ist jetzt im Innern der Partei und langsam beim letzten Genossen angekommen. Jetzt beginnen die Kämpfe “mit Haken und Ösen” ums eigene Überleben.

Zugleich gibt es Andere, denen es weiter, vielleicht mehr denn je, um “die Sache” geht. Man muß sich die eigentlich unglaubliche Situation klar machen, daß die sog. ehrlichen Genossen, “die Linken in der SED”, wie ich sie nenne (und zu denen ich mich zähle) bis zu diesem Tag noch in keiner Weise öffentlich sichtbar, selbständig aufgetreten sind. Meine illusionslose Kritik der Führer des realsozialistischen Kommandoapparats muß ich erweitern auf die eigene Unfähigkeit, eine durchdachte Alternative zu formulieren und laut und deutlich politisch wahrnehmbar zu vertreten. #

Volkskammer zu Verbrechen – Krenz erweist sich als unfähig.

Der verzweifelte Genosse Arbeiter im Ratskeller am Bersarinplatz!

30. November 1989 - “Für unser Land”

Dienstag, Dezember 1st, 2009

891129.jpg# Die Zeitungen bringen den Entwurf eines Reisegesetzes, das diesen Namen verdient. Jetzt, nachdem “alle Messen gesungen” sind! Das Trauerspiel in mehreren Akten um das DDR-Reisegesetz verdiente eine gesonderte Darstellung. Es veranschaulicht und beweist die totale Unfähigkeit des Machtapparates und der amtierenden Führung, das Unaufschiebbare und Notwendige zu tun. #

Gestern zum Gespräch in F.s Schule.

Auf Einladung von C. bei Gilbert. Er ist Kontaktmann für „Neues Forum“ im Prenzlauer Berg.

# In Zeitungen (Vergl. die folgenden beiden Ausschnitte) haben diejenigen, die verantwortungsbewußt auf wirkliche Erneuerung drängen Stimme und Tribüne. Die Macht haben sie nicht. Die realsozialistische Apparate- und Funktionärsmacht ist nicht fähig, den Weg zu etwas Höherem einzuschlagen. Sie klammert sich an den alten Stand. Später wird sie radikal beseitigt werden durch die BRD-Macht, eine andere alte Macht. Diese “radikale Beseitigung” ist ein deutsches, insofern historisch zufälliges Phänomen. In den anderen Ländern des Realsozialismus verwandelt sich die alte Apparate- und Funktionärsmacht in die neue alte Macht des Realkapitalismus. Das geschieht in der Form chaotisch, im Wesen bruchlos und geschmeidig. #

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# Eben habe ich noch den revolutionären Charakter des Prozesses beschworen, den ich miterlebe, da wird das “Entweder Oder” offen ausgesprochen. Meines Wissens wurde der Aufruf “Für unser Land” bis Anfang März 1990 von 1,5 Mio Menschen unterzeichnet (was ich natürlich nicht beweisen kann). Wikipedia spricht (ebenfalls ohne Quellenangabe) von 200000 Unterzeichnern. #

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26. November 1989 - Konzeptarbeit

Montag, November 30th, 2009

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In diesen Tagen interessante Gespräche und Erfahrungen im Wild- und Geflügellager.

Reichlich Samstagarbeit - konzeptionelle Überlegungen für eine neue ZF. Weiterarbeit vom Samstag.

# Es waren die wenigen Tage, Wochen, in denen es Vielen schien, daß eine entschiedene Erneuerungsarbeit für DDR und Sozialismus nicht nur notwendig, sondern auch möglich wäre. #

Abends zu F. Dann “Serkalo” #”Spiegel” # von Tarkowski.

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21. November 1989 - tiefe Krise der Partei

Sonntag, November 22nd, 2009

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Die gestrige Belegschaftsversammlung brachte fast keine Information. Die GO-Versammlung # Grundorganisation der SED # brachte die Delegiertenwahl # zum Sonderparteitag # und eine recht unerquickliche Diskussion. Wir sind 235, 193 sind anwesend (83%). Allgemeine Verwirrung, Resignation und zu kurzes Fragen nach den Ursachen (Alle Schuld hat die Parteiführung). Die Partei ist in einer Krise. In welcher Krise ist die Partei? Die Krise der SED hat leider sehr tiefe Wurzeln. Da ist der Stalinismus. Das geht schon sehr tief. Noch tiefer liegt aber die Wurzel Utopismus bei Marx und Engels. Die Rolle der politisch-kulturellen Verhältnisse war nicht tief genug begriffen. Illusionen über die Arbeiterklasse und damit auch die Diktatur des Proletariats.

Der Arbeitstag heute war anstrengend, fast keine Pause. Interessant: Das Ausladen von Wild.

Danach machte ich einen ersten dreistündigen Bummel durch WB. Nach Geldumtausch besitze ich jetzt erstmals 115,-DM. Der Eindruck ist groß! (Ein einsamer geschlagener Kommunist geht über den Markt.) Die Mauer – sie ist aber nur der Kulminationspunkt – hat uns sehr geschadet.

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Als ich 19.00 Uhr zu Hause ankomme, geht gerade C. mit Auszugshelfer Wulf aus der Wohnung. Damit mein Scherbenhaufen vollständig ist.

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18.November 1989 - Gewaltfreiheit!

Mittwoch, November 18th, 2009

Gestern noch bei F. - Modelleisenbahnbau

Regierungserklärung Modrow teile ich voll und ganz.

Westfernsehen überträgt Leipziger Kundgebung des “Neuen Forum”.

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Heute heißt es allenthalben, daß man weiter auf die Straße gehen muß. Das ist aber nur die halbe, eigentlich nur ein Drittel der Wahrheit: In Wirklichkeit geht es darum, sehr genau zu wisen, was man fordert und will, damit die Revolution weitergeht (”Neue Zeit”, 45/89, S. 22, V. Ganjuschkin), damit der Sozialismus demokratisiert wird. Und dafür muß man dann überall, auch auf der Straße, einstehen.

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“Das Volk” will nichts mehr von der SED wissen und schätzt Gorbi. Welche konkrete Politik Gorbi aber macht, und was man konkret von dort lernen könnte - Da gibt es wenig.

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 Daß uns eines Tages die Notwendigkeit, den Stalinismus aus- und auszumerzen so grausam packen wüde - das hätte ich nicht gedacht. Und wieder mußt Du als Genosse dabei vorangehen und darfst nicht auf Dank hoffen. Und die Massen sind zwiespältig in ihrem Aufschwung. Beflügelt wollen sie auch gleich noch den Dreck an den eigenen Füßen überfliegen. Wie schön ist es, wenn man nun für ALLES eine Schuldigen hat!

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 Die Leipziger Kundgebung des “Neuen Forum”, die ich heute lange gesehen habe, bietet eine wunderliche Mischung von ehrlicher Empörung/Unkenntnis/Demagogie und Rationalität/Realismus. Die eigentümliche Legierung von Mündigkeit und Unmündigkeit, die wir erleben!

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Ich freue mich darauf, morgen meine Garten in Schmachte zu erleben.

Mit elementarer Gewalt treibt es mich auf einen ideologischen Punkt zu: Wie kommen wir aus Hitler und Stalin? (Die Überempfindlichkeit Honeckers auf diese Sputnik-Frage. Das nachdrückliche Fragen der Lea Rosh nach eventuellen Wurzeln der DDR zwischen 1933-45. Wassili Grossmans Roman, über den ich gerade in “Kunst und Literatur” 6/89 lese.)

Ich wiederhole es: Vielleicht ist die Gewaltfreiheit in diesem Aufschwung in der DDR, der hoffentlich eine Revolution ist, eine welthistorisch neue Tat. Kann einst die Gewalt die Demut gebären?

Wie erlebe ich die Abwesenheit C.s? Gleichgültig.

In den Brüchen dieser Tage und den Mühes des Bewältigens gibt mir C. nichts.

Ausfall der halben E-Anlage in meiner Wohnung.

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