
Während die Jugend sich ans Ende aller Dornröschen-Träume heran träumt und keine Angst hat vor Drachen und vor der Gicht, sind meine Tage gezählt.
Ich versuche, sie zu nutzen.

Während die Jugend sich ans Ende aller Dornröschen-Träume heran träumt und keine Angst hat vor Drachen und vor der Gicht, sind meine Tage gezählt.
Ich versuche, sie zu nutzen.
Der Juni ist der Monat der Blüten und Düfte.
Wenn ich zur Zeit vor das Haus trete, umfängt mich betörend und umwerfend ein intensiver Lindenduft.

Ich liebe die Jasminbüsche mit den schneeweißen Blüten im Dunkelgrünen Laub, den Holunder mit seinen vainillefarbenen Tellern (als Kinder sagten wird „Puddingbaum“) aber der Duft der Lindenblüte ist für mich unübertroffen.
Dieses Junigedicht habe ich in meiner Sammlung gefunden aus dem Wonnejahr 2003…
Liebeslied im Juni
Soll ich für uns das Lied
singen,
das aus meinem Herzen drängt,
Liebster?
Soll ich dir singen
vom Sommerrausch
zwischen den tiefgrünen
Hecken, die mit
leuchtenden Blütenperlen
übersät sind,
von umwucherten
Rosenbänken,
vom sanftbunten, endlosen
Gleiten und Landen
der Schmetterlinge
auf den üppigen
Nektartränken duftender
Blütendolden?
Soll ich meinen Jubel
über unseren Liebesgarten
auf den blauen Abendhimmel
über uns schreiben
mit Kondensstreifen
aus Millionen weißer Blütenblätter?
Soll ich den weichen, hellen
Wind einfangen
und damit die Nachtluft
fortblasen,
bis die Sonne wieder
über unserem Garten den
Tag ausruft?
Doch wenn die Farben verblassen,
ist es auch in unserem Garten
grau.
Und höchstens der Mond
bescheint die geheimnisvolle
Bank, auf der wir uns noch lange
in den Armen halten und wärmen
in der Kühle der Morgendämmerung.
Meine Einführung im fitnesscenter for women liegt hinter mir.
Während meine Tochter sehr schnell beim Ausdauertraining an den Geräten landete, wo gut geformte Frauen auf Laufbändern und an Rudergeräten mit unbewegten Gesichtern für eine noch bessere Figur kämpften – die Knöpfe ihrer MP3 Player im Ohr und das stärkende Getränk an der dafür vorgesehenen Stelle im Trimmgerät deponiert – wurde mit mir ein individuelles Trainingsprogramm für die nächsten Wochen ausgearbeitet und ausprobiert:
Bescheidene Übungen am Rande des sportlichen Geschehens, aber Knie- und Bandscheiben freundlich und für mich machbar ohne anschließendes K.O.
h bins zufrieden.Am Anfang stand eine kleine Testserie. Das Ergometer spuckte zu meiner Begeisterung am Ende des Konditionstests sein Ergebnis in aller Schlichtheit aus „Schlecht“.Thomas konnte meinen leichten Schrecken etwas besänftigen. Es gibt auch noch das Ergebnis „Sehr schlecht“.
Gestern ist er in Brandenburg in einer Pension gelandet und hat am Telefon angedeutet, er sei heute ganz schön nass geworden.
Aber was solls, schließlich hat die menschliche Rasse ja offenbar unbegrenzte Kraftreserven. Wenn in England die Opa-Band The Zimmers in den Charts läuft, wird mein Papa ja noch mit seinem Rad einwenig zwischen Berlin und Jena herumfahren können. Er wird sicher genauso sagen wie der Bandleader Das macht mich wieder lebendig.
Also halten wir die Klappe, Mama und ich, und hoffen, dass Themen wie Nierensteine, Bypässe und sonstige Übel von ihm fern bleiben. (Ich finde, eigentlich hätte er mich ja mitnehmen können! Ich kenn die Strecke doch auch nur vom Fahrgeräusch her.)
PS. Dieses dumme Notebook hat mir meinen schönen gelben Rahmen geklaut. Heute schafft Mama es einfach nicht, ihn vom Festnetz hierrein zu kopieren.
Nun habe ich mir im Verlaufe der Jahre allerhand Leiden und handicaps zugelegt. Aber trotz Arthrose-Knie und Bandscheibenproblemen, trotz Rheuma und …., die Botschaft der versammelten Mediziner lautet seit langem unmißverständlich: Bewegung, mehr Bewegung!
Also reifte mein Entschluss, mal wieder ein Fitness Center aufzusuchen. Ein, zwei mal die Woche hätte ich Zeit und wenn ich ohne großen Stress und Leistungsdruck einfach nur dafür sorge, dass ich mal wieder ins Schwitzen komme und meine Kondition besser wird, dann wird die Sache für mich ihren Zweck erfüllen.
Heute betrete ich mit Tochter (die vor ihrem Segelpraktikum dringend noch ein bisschen fitter werden möchte) das einzige Fitness Center für Frauen. Mir wäre egal gewesen, aber G. möchte lieber unter Frauen strampeln und schwitzen.
Wir betreten den gläsernen Vorraum. An der Theke stehen einige ältere Frauen und verhandeln mit der jungen Dame hinter dem Tresen. Weiter rechts kann man in den Raum hineinsehen, wo sich Standfahrrad an Standfahrrad reiht, links geht eine Tür auf und wir sehen in den Kinderbetreuungsraum, in dem es vor Kleinkindern wimmelt.
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Die Frauen, die herumstehen oder an uns vorbei laufen sind entweder junge, sportliche Muttis, die diese große Chance nutzen, um endlich mal wieder was für sich zu tun oder aber Frauen in meinem Alter und älter.
Ich vermisse auf Anhieb die nüchterne Kühle anderer Fitness Center. Überall sind hier Blümchen angemalt und bunte Farben angebracht. Sicher, die Kinder müssen sich hier auch wohl fühlen.
Auf unsern Wunsch nach Informtion über Angebot und Preise wird ein junger Mann herbeigewinkt, der mir zur Begrüßung derart tief und fest in die Augen schaut, dass ich mich fühle wie auf einer Selbsterfahrungsveranstaltung. Er läd uns zu einem Getränk ein, bevor er mit irgendeinem Wort auf unsere Bedürfnisse reagiert. Ich merke, wie ich ungeduldig werde und schließlich, geradezu aus Mitleid und damit der junge Mann mit seinen Infos endlich rüberkommen kann, ein Wasser mit Kohlensäure ordere, ja gerne mit einer Scheibe Zitrone. Offenbar hat man ihm in irgendeinem Kurs beigebracht, ältere Damen zu zu behandlen und nun kann er nicht anders.
Endlich sitzen wir in einem separaten Beratungsraum. Ich trinke mein Wasser aus, denn tatsächlich bin ich durstig. Ich trage ihm meine Wünsche und Vorstellungen vor und merke, dass ich ihm schon wieder die Show stehle und ihn um seine geschickte Fragetechnik bringe, weil ich alles schon sage, was er gerne behutsam erfragt hätte.
Meine Tochter übergeht er mehr oder weniger, ganz auf Damen des mittleren und reiferen Alters programmiert. Aber allmählich kommt er dann doch auf den Boden und gibt klare und unverschnörkelte Auskunft, hat sogar ein kostenloses Schnupperangebot (immerfort sollen und dürfen wir schnuppern!) bereit. Er plaudert über die sponsernden Firmen und die beteiligte Universität und stellt uns in Aussicht zwischen 3 Grundsatzprogrammen wählen zu können: Es geht entweder um eine strammere Figur oder aber um Rückenprobleme oder schließlich um die Kondition, um Ausdauer und den Kreislauf. Tja, in meinem Alter fällt da schon die Entscheidung schwer, ich hätte in allen drei Bereichen Einiges zu bieten. G. hat vor allem Rückenprobleme.
Unser Berater mit den brauen, treuen Augen und organisiert für uns beide morgen einen Einführungstermin. Leider kann ich nur um 16.00 Uhr und da wird der hilfreiche Geist, der uns in die Geheimnisse dieses Fitness Centers einführt, nicht Thomas heißen sondern Frank. Denn um die Zeit hat er leider schon einen Termin. Wir werden es wohl verkraften.
Wir gehen nach diesem Erlebnis Eis essen, brauchen eine kleine Verschnaufpause. Irgendwie habe ich das Gefühl, mir eben eine Art Lebensgemeinschaft angesehen zu haben, bei der ich gedenke vielleicht anzudocken und nicht ein Fitnesscenter, wo ich ab und an ein wenig für meine Gesundheit trainieren kann.
Aber das Konzept scheint aufzugehen. Der Laden boomt ganz offensichtlich. Morgen werden wir mehr wissen.
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Meine Tochter moniert, dass dieses kleine Wesen auf meinen Postings zum Thema Kinderbetreuung so traurig aussieht.
Warum sie so traurig ausschaut?
Dieses Kind hat gerade erfahren, dass seine Aussichten, in dieser Gesellschaft eine Chance zu bekommen gegen Null sinkt, da Herr Stoiber ihren Eltern im Monat 150 Euro anbieten will, damit sie, Manuela weiterhin zu Hause bleiben kann.
Es handelt sich nicht um die Tochter des Filialleiters Murgau und seiner Ehefrau, die als Übersetzerin arbeitet, auch nicht um den Sohn des Akademikerehepaares Schmidt, der in der Krippe möglichst schon Englisch lernen soll und auf den später auch noch der Judoverein und der Klavierunterricht wartet.
Es handelt sich um Manuela, die Tochter des arbeitslosen Hilfsarbeiters Petersen und seiner Ehefrau, die durch Putzen zu Hartz IV etwas hinzuverdient; beide Sonderschulabgänger und auf Schule und Ähnliches nicht gut zu sprechen.
Manuela hat nicht gelernt neugierige Fragen zu stellen und ihre geistigen und motorischen Fähigkeiten auszuprobieren, sie sitzt viel vor der Glotze, so wie die Eltern eben auch. Bücher gibt es in ihrer Familie nicht und gesprochen wird auch nicht viel.
Manuela hat wenig Chancen, von ihren Eltern in die Krippe geschickt zu werden. Selbst der Kindergarten ist den Eltern beim großen Bruder schon lästig. Die Frau vom Allgemeinen Sozialdienst versucht die Eltern immer wieder, dazu zu bewegen. Aber sie wollen nicht und jetzt schon überhaupt nicht mehr, denn jetzt gibts vom Staat ja sogar Geld dafür, wenn man die Kinder nicht da hin schickt…..
Bis gegen Mittag war in Rostock alles ziemlich nach Plan verlaufen. Die Demonstranten wunderten sich über die vernagelte Stadt. Sie berichteten ein wenig erschrocken über die menschenleere und gespenstisch stille Innenstadt. Die Atmosphäre der Angst, die diese Stadt ausstrahlte passe nicht zu dem, was sich in ihren Straßen abspielte: die Demonstration verlief friedlich, bunt, gut gelaunt, fast wie ein Karneval und es kamen mit den Fernsehbildern sogar die eine oder die andere Botschaft über die Absichten und Ziele der Globalisierungsgegner rüber.
Dann die Bilder aus dem Stadthafen: Vor der Bühne die Demonstranten und am Rande dunkel gekleidete Menschen, Unruhe, Hektik, Steine werfende vermummte Menschen, rennende Polizisten und friedliche Demonstranten, die beschwörend auf die Randalierer und die Polizei einzureden versuchten. Ein Mann auf der Bühne, der fast 5 Minuten beschwörend auf die Leute einsprach, dessen Verzweiflung über die gefährliche Entwicklung man mit Händen meinte spüren zu können. Dann ein Riesen-Polizeiaufgebot, Panzerwagen, schließlich Wasserwerfer.![]()
Ab da gab es in den Medien nur noch Zahlen über Verletze Polizisten und über gewaltbereite Chaoten. Die Bilder, die um die Welt liefen bestätigten fataler Weise die Befürchtungen, die vorher bei der Bevölkerung bestanden hatten und die tagelang und durch all die Wahnsinnssicherheitsmaßnahmen geschürt worden waren. Die Demonastration, ihre Ziele, ihr friedlicher, entschlossener Anblick, ihre Kritikpunkte am G8 Gipfel, all das war nun für die Medien nichts mehr wert. Die Veranstalter rangen sichtlich um Fassung angesichts dieses Umschwungs und des scheinbaren Untergehens aller Widerstandskräfte in dem von provozierenden und die Polizeikräfte herausfordernden Gewaltchaos.
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Auf einmal ist nur noch von der abscheulichen Gewalt dieser Menschen die Rede. Und zunehmend spricht man von „den Demonstranten“, als gäbe es da eine Einigkeit oder eine Zustimmung bei der Masse der Demonstrierer mit dem Vorgehen der „Autonomen“. Alle Vorurteile über die Globalisierungsgegner, über politisch Widerstand Leistende, über Linke, über die Gegner der Globalisierung sind für den braven deutschen Bürger bestätigt. Die Rostocker, die die Flucht aus ihrer Stadt ergriffen hatten, werden froh sein, sich dazu entschlossen zu haben. Das Ziel der Demonstrationen will niemand mehr hören. Jede Kritik am G8 Gipfel ist diskreditiert, macht sich der Gewalt und des Verbrechens verdächtig.
Ich frage mich, wem diese Eskalation genutzt, wem sie gedient hat. Und ich frage mich, wer sich darüber wohl offen oder heimlich gefreut haben mag.
In der beim vorletzten Posting zum Thema schon erwähnten PISA-Studie taucht eine Risikogruppe von knapp 25% aller Jugendlicher auf, die etwa zur Hälfte aus Migrantenkindern und zur Hälfte aus deutschen Kindern besteht. Diese Jugendlichen erreichen in Deutschland nicht bzw. nicht wirklich eine Schulqualifikation, wie sie ein Hauptschulabschluss darstellt. Damit hat diese Gruppe innerhalb unserer Gesellschaft die denkbar schlechtesten Berufs- und Zukunftschancen.
Zusammen mit dem schon erwähnten Ergebnis können wir ganz grob davon ausgehen, das etwa ein Viertel unserer Kinder mit schlechten familiären Voraussetzungen in die Schule startet, um dann im Verlaufe seiner Schullaufbahn zunehmend zu versagen und den bildungsmäßigen Anschluss zu verpassen.
Unser Schulsystem reagiert auf diese Ausgangsbedingungen einer so großen Zahl scheinbar nicht wirklich schulfähiger Kinder wenig engagiert. Man macht schulischerseits den Eltern Vorwürfe dafür, dass sie ihre Kinder nicht besser vorbereitet haben.
Eine frühkindliche öffentliche Erziehung könnte hier Mängel der familialen Erziehung und Förderung kompensieren und ausgleichen.
Dass sich gerade die Familien dieser Kinder nicht um die Krippenplätze reißen werden, ist aus verschiedenen Gründen zu befürchten.
Aber wenn das auch noch mit Geld honoriert würde, hätte z.B. ein Mitarbeiter des Jugendamtes keine Chance mehr , eine Familie für eine angemessene Förderung des Kindes notwendigen Krippenbesuch zu erwärmen:
Viele brauchen das Geld dringend. Eine Akademikerfamilie wird sich von 150 Euro nicht beeindrucken lassen. Für eine Familie, die von Hartz IV lebt, sind diese 150 Euro ein echtes Argument.
Anderen wiederum fehlt die Bildungsvoraussetzung und das Verständnis für die Notwendigkeit und die Unterstützung, die eine solche Förderung für ihr Kind bedeuten würde.
Statt nun diese Tendenz auch noch zu unterstützen und damit die Risikogruppe und den korrelativen Zusammenhang zwischen bildungsfernem Milieu und mangelndem Schulerfolg noch weiter in die Höhe zu treiben, wäre eine totae Kehrtwende in der Bildungspolitik gegenüber diesen Kindern und ihren Familien notwendig:
Denn auch Politiker, denen es nicht um Chancengleichheit und Menschenwürde und um soziale Gerechtigkeit der Betroffenen geht, müssten doch zumindest allmählich einmal kapieren, welche enormen Bildungsreserven in unserer Gesellschaft ungenutzt vor die Hunde gehen, weil die Gesellschaft die Kinder dieser gesellschaftlichen Schichten und Gruppen auf ihren schlechten Voraussetzungen einfach hocken lässt.
Statt diesen Familien Vorwürfe zu machen und sie immer weiter auszugrenzen, sollte sich unsere Gesellschaft zudem fragen lassen, wie es dazu kommt, dass in solchen Größenordnungen Familien ihren Kindern heute keine ausreichende kognitive Förderung angedeihen lassen und warum diese Menschen in hohem Masse sozial benachteiligt sind. Ich denke, unsere Gesellschaft produziert solche Lebenslagen erst und dann grenzt sie die Menschen einfach aus.
Im Fachbereich Nautik konnten wir heute noch einige wichtige Informationen bekommen.
Den Vortrag „Wie werde ich Kapitän“ besuchten diesmal eine ganze Reihe junger Leute mit ihren Eltern. Die sassen neben ihren Söhnen (oder auch Töchtern), sichtbar stolz auf den ehrgeizigen Nachwuchs.

Ich muss mich spätestens bei ihrem Anblick fragen, ob meine Anwesenheit hier auf die anderen Besucher und die jungen Leute genau so peinlich gewirkt hat, wie diese Eltern auf mich wirken. Wahrscheinlich ja, denke ich .
Draußen ist es heute unangenehm kühl und windig. Regen liegt in der Luft. Unser Shoppingversuch verlief eher kläglich. Es zog uns zurück ins Warme. Und vor den Fernseher. Heute war auch in Warnemünde viel Polizei. Sonst aber war nichts weiter zu sehen. Vielleicht war es leerer am alten Strom als sonst.

Viel zu früh kamen wir an, weil wir schon um 5 Uhr losgefahren waren, um es trotz evtl. Staus (schließlich müssen wir durch Rostock und morgen ist die erste große Demonstration der G8-Gipfel-Gegner) rechtzeitig zur ersten „Schnuppervorlesung“ zu schaffen.
Mit einem strahlend blauen Junihimmel über uns standen wir schon eine Viertelstunde vor Eröffnung des Informationstages des Fachbereiches Nautik (Außenstelle der Fachhochschule Wismar) vor dem Simulationszentrum. Um uns herum mehrere wartende sehr junge Männer, die versuchten möglichst cool auszusehen, mitten darunter eine junge Frau, alle InteressentInnen für ein Studium der Fachhochschule Wismar, Außenstelle Nautik.
Die junge Frau, mit der ich ins Gespräch kam, war extra aus der Schweiz angereist, festentschlossen, hier in Warnemünde Nautik zu studieren. Auf einer 5monatigen Seereise auf einem Frachter ist in ihr die Erkenntnis gereift, dass dies der richtige Beruf für sie sein wird. Und in der Schweiz kann man keine Nautik studieren. Wen wundert es?
Als erstes lauschten wir Interessenten einem Seminar über Personalführung.
Ungewöhnlich aber hochinteressant für mich: das Erlebnis einer Lehrverantstltung aus dem Blickwinkel eines Studenten in der letzten Reihe!
Der Dozent war zunächst kaum verstehen in dem altmodischen, fast nostalgischen Seminarraum. Die angehenden Kapitäne wirkten ein wenig undiszipliniert und unruhig. Aber allmählich entspann sich doch so etwas wie ein Lehrgespräch zwischen dem Dozenten und der Gruppe und man konnte den Willen der Studierenden spüren, ihre zukünftige Aufgabe an Bord zu bewältigen. Langsam bekam man auch als Zuhörer eine Ahnung davon, was es bedeutet, auf einem großen Tanker leitender Schiffsoffizier zu sein.
Die Studenten sehen nicht sehr viel anders aus als die angehenden Sozialpädagogen bei mir in Jena. Manche kann man sich aber auch schon gut als alte Seebären vorstellen. Einer ist darunter, mit rotblondem Bart, der sieht aus, als wäre er aus einem Seeräuberfilm entsprungen.
Unter den Studenten sitzt ein einziges Mädchen. Sie wirkt selbstsicher und fröhlich und völlig integriert. Später lasse ich mir bestätigen, dass von 15 Studierenden der Nautik ca 4 wieblich sind. Und die Berufschancen sind ausgezeichnet, auch für Frauen. Alle Frauen, die der Fachbereich in den letzten Jahren ausgebildet hat, sind inzwischen als Schiffsoffizierinnen (zivile) auf hoher See.
Die Studienberatung durch Verwaltungskräfte und Studenten klärt meine Tochter noch über wichtige Fragen zum Studium auf. Am spannendsten ist für uns die Besichtigung eines der Wohnheimzimmer auf dem Campusgelände: 16qm, hell, praktisch und angenehm möbliert, sonnig…und zur Feier des Tages auch noch super aufgeräumt, und dazu ist es recht erschwinglich: 247 Euro alles inclusive, einschließlich Internet-Flatrate.
G. ist jetzt fast traurig, dass sie nicht gleich im Herbst anfangen kann, in Warnemünde zu studieren. Sie will ja erst noch 1 Jahr als aupair nach Irland.
Dann machen wir noch die Führung durch das Simulationszentrum mit: überall rote Lämpchen, Bildschirme und technische Daten in Fülle.

Für den Laien aber sicher ambeeindruckendsten ist der Besuch auf der simulierten Schiffsbrücke. Wir stehen plötzcher hoch oben auf der Brücke eines Frachters, spüren den Seegang und die Vibration der Motoren. Es ist gerade 5.43 Uhr in der Früh, wir fahren mit dem ersten Tageslicht in den Rostocker Hafen ein. Auf uns zu kommt ein großes Schiff , kommt näher und dann gleitet langsam die Mecklenburg-Vorpommern ganz dicht backbord an uns vorbei. Die Bildschirme zeigen Radaraufnahmen und elektronische Karten vom Hafen und der Küstenregion. Dem Publikum wird erklärt, dass das Simulationszentrum 3 Funktionen erfüllt:
1. Unterstützung bei der Ausbildung der Studierenden
2. Angebot an fremde Reedereien, die Simulationstechnik zu nutzen ( Z.B. haben neulich Lotsen des Stockholmer Hafens in Warnemünde überprüft, ob die neuen Schiffe von AIDA, die ungewöhnlich lang sind, trotzdem sicher in ihre Hafenbecken zu manövrieren sind)
3. Forschung
Wir machen noch einen Bummel durch Warnemünde, berappen immerhin 9 Euro füs geparkte Auto und fahren erst einmal nach Lütten Klein, wo Kranichs Schwester mit Kaffee und Kuchen auf uns wartet.
Vom G8 Gipfel und den G8 Gegnern ist in Warnemünde und auch in Lütten Klein noch nichts zu spüren.
abends
Im Fernsehen wird berichtet, dass Rostock wegen der morgigen Demonstration so gut wie ausgestorben ist. Die Geschäftesleute haben ihre Schaufenster zunageln lassen, die Restaurants werden geschlossen sein. Es herrscht eine Stimmung, als würde morgen eine Sturmflut über Rostock hinwegjagen.
Immerhin wird in mehreren Sendungen auch über die Ziele der Globalisierungsgegner berichtet und es werden heranreisende Globalisierungsgegner vorgestellt, z.B. entschlossene, freundliche Leute aus der Schweiz (schon wieder die Schweiz!), die einfach nicht mehr länger schlucken wollen, wie mit dieser Welt umgesprungen wird. Wenn man diese Leute sieht und sie hört, muss man sich fragen, woher die Angst der Bevölkerung vor der Demonstration eigentlich stammt.