Tschingis Aitmatow: Der Schneeleopard II

Ich habe den Aitmatow aus. Gestern Abend fing ich an, ihn mit einem mal zuende zu lesen. Das Bild hatte sich gewandelt:
Irgendwann nahm die Geschichte eine neue Wendung und entwickelte unversehens Dramatik und Spannung:

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Arsen gerät per Zufall in das touristische Groß-Unternehmen seines Onkels, das der Bevölkerung seines Heimatdorfes nach dem Systemwechsel und dem Niedergang der alten Lebensstrukturen wieder eine Chance auf Wohlstand und Überleben sichern soll. In großem Stil wird eine Großwildjagd für ein paar Prinzen aus Saudiarabien organisiert, die extra anreisen, um Schneeleoparden zu schießen.

Arsen, als kritischer Intellektueller, sieht diese Entwicklung und die Folgen für Mensch und Natur zwar mit Skepsis. Aber eigentlich kreisen seine Gedanken nur um seinen Mordplan an dem Mann, der ihm die Liebste, seine Träume und seinen Lebenssinn genommen hat.

Doch urplötzlich wird Arsen wider Willen Mitwirkender eines terroristischen Planes:
Die saudiarabischen Prinzen, die sich den teueren Luxus der Schneeleopardenjagd leisten wollen, sollen gekidnappt und erst gegen ein ungeheueres Lösegeld wieder freigelassen werden. Ehemalige Hirten, durch die neuen Entwicklungen ihrer Existenzgrundlage beraubt, im Afganisthankrieg verhärtet und verroht, sind fest entschlossen, sich auf diese Weise „ihren Teil an der Globalisierung“ zurückzuholen und sind bereit, zu töten, wenn ihre Pläne vereitelt werden sollten. Arsen steckt mitten in der Katastrophe und weiß sich keinen Rat.

Vor dem Eklat aber begegnet er Elesa.
Und für fünfzig, sechzig Seiten verzaubert Aitmatow den Leser mit einer atemberaubenden Liebesgeschichte, die mit den ersten warmen Gefühlen beginnt, alle Täler und Weiten der Liebe durchmisst um am Ende zwei Menschen zu zeigen, deren Leben sich in den wenigen Stunden eines halben Tages völlig umgekrempelt, völlig neu sortiert, mit Sinn und Hoffnung aufgeladen, ja beinahe erfüllt hat.
Aitmatow schafft dieses Unternehmen mit Bravour. Seine Sprache ist hier klar und poetisch zu gleich. Er hat jetzt auch keinerlei Problem damit, nicht dick aufzutragen und führt den Leser ohne jede Schwüle oder Übertreibung quer durchs ganze Paradies.

Diese Frau, Elena, ist es, die Arsen die Eingebung mitgibt, wie er sich wenig später im Augenblick des drohenden Gewaltausbruchs verhalten kann, um die Katastrophe zu verhindern.. Er klagt für die gesamte „Jagdgesellschaft“ unüberhörbar und unvermittelt die Prinzen der Zerstörung der Natur seiner Heimat an, verjagt sie damit und macht sich gleichzeitig alle Menschen seines Heimatortes zu erbitterten Feinden. Arsen’s Intervention rettet die Prinzen. Ansonsten aber geht alles daneben: Der Kidnappingversuch eskaliert in einer Katastrophe für alle. Arsen und auch der alte Schneeleopard Dschaar Bars sterben im Kugelhagel.

Dieser letzte Teil des Romans, der die Zuspitzung und Wende des Geschehens schildert, hat wieder ein wenig von dem Grotesken, das ich schon im ersten Buchteil zu dick aufgetragen fand.

Aber ganz am Ende steht die gefasste, tiefe Trauer der liebenden Elena.

Kein happy end aber ein tröstliches Ende doch.

Und durch diesen ganzen Roman geistert eine kirgisische Legende, die Erzählung von der „Ewigen Braut“, deren Bräutigam vor der Hochzeit entführt wurde und der an seiner Enttäuschung über die vermeindliche Untreue seiner Liebsten starb. Seitdem sucht die Ewige Braut ihren Geliebten in den kirgisischen Bergen und kann ihn nicht finden.

Dieser Legende weist Aitmatow für sein Buch eine zentrale Bedeutung zu, was sich auch im Originaltitel des Romans niederschlug.

Aber abgesehen davon, dass auch Aitmatows Roman eine einsame Braut zurücklässt, die um ihren Liebsten trauert, hat sich mir die Bedeutung dieser Legende für den Roman und seinen Inhalt nicht wirklich erschlossen.

Ja, und dann ist da noch eine Irritation:

Am Ende steht sozusagen als Nachspann die Schlussgeschichte „Töten oder Nichttöten“, die Arsen als Vermächtnis hinterlässt.
Sie handelt von dem Versuch, den Sinn des Krieges zu begreifen. Ein 19Jähriger wird in den Krieg geschickt. Und während er mit den Kameraden der roten Armee in einem Eisenbahnwaggon der Front im Westen entgegenfährt, versucht er zu begreifen was das heißt: Töten oder Nichttöten.

Diese Geschichte ist für sich gesehen beeindruckend. Sie hat mich spontan an die westdeutsche Trümmer- und Nachkriegsliteratur von Böll und Borchert erinnert, an Geschichten, die von der Sinnlosigkeit des Krieges, von dem, was Kriege mit und aus Menschen machen, berichten.

Warum aber, so habe ich mich gefragt, soll diese Geschichte so etwas darstellen wie die Quintessenz eines Romans, der sich, so wie ich es verstehe, eigentlich mit einem anderen Thema auseinandersetzt, nämlich mit der kapitalistischen, globalen Wirtschaftsgesellschaft, die alles bisher Gültige und Funktionierende niedermacht, die Werte ebenso mit Füßen tritt ,wie sie die natürlichen Ressourcen dieses Erdballs zerstört, um sie zu verkaufen.
Natürlich spielt indirekt auch hier das Töten und Nichttöten eine Rolle. Auch der deutliche Hinweis auf den sowjetischen Afganistankrieg ist ja nicht zu übersehen. Aber ist dies wirklich der entscheidende Schlüssel zu Arsen’s und Dschaar Bars‘ Problem?

 

Vielleicht sollte ich mir das Buch noch einmal vornehmen.
Vielleicht entdecke ich dann ja noch die tragende Verbindung zwischen Arsen’s und Dschaar Bars‘ Schicksal, der Ewigen Braut und dieser Schlusserzählung. Vielleicht werde ich dann noch erkennen, dass alles, was mir jetzt an diesem Roman aufgestoßen ist, tatsächlich künstlerische Absicht und ästhetischer Ausdruck ist, alles, auch einschließlich der anfänglichen stilistischen Holprigkeit des Buches?

Wenn aber nicht, müsste ich mich fragen, ob da nicht vielleicht ein Autor verschiedene Motive in einem Roman kombiniert hat, um ihnen das Erscheinen zu sichern.

Wie auch immer: Das Buch lohnt gelesen zu werden. Besonders die Liebesgeschichte ist eine literarische Perle. Und auch sonst gibt es Perlen und Goldnugets, z.T. müssen sie aber vom Leser erst aus dem Sand gefiltert werden – was ja durchaus seine Reize hat.

 

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Gedanken zu Flötentönen

Heute nehme ich meine erste Stunde, d.h. wir werden erst einmal sehen, ob der Flötenunterricht Sinn macht. Im Vorfeld habe ich meine alten Noten und Flötenschulen herausgesucht und die Grifftabelle. Manches spielen meine Finger noch wie im Traum.

Dennoch: ob ich meine engen Grenzen endlich überwinden werde? Schaffe ich es endlich, mir die Notennamen in der oberen Oktav zu merken und die barocken Griffe dazu? Und ausgerechnet jetzt sollte ich das schaffen, in einem Alter, wo ich schon lange mit Gedächtnislücken kämpfe und es doch schließlich bei all meinen Flötenspielphasen mit 10, mit 25, mit 35 und 45 nicht geschafft habe! Ich nehme an die Flötenlehrerin wird mich dazu verdonnern ganz und gar noch einmal von vorne anzufangen, damit ich mir meine eingefahrenen Marotten abgewöhnen kann. Nun ja, Einzelunterricht ist eine für mich noch völlig unausgeschöpfte Ressource. Man wird sehen. Jedenfalls habe ich mit leichtem Erstaunen festgestellt, dass mir das Musizieren auf meiner Altblockflöte Spaß macht. Eigentlich ist es eher so etwas wie Freude.  

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Und das, obwohl ich keineswegs gut spiele und ständig überlege, ob meine Vermieter, die unter mir wohnen, wohl kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehen, da sie meine Absicht, nun täglich zu üben, ja wohl ahnen werden.

 

Ich könnte mir auch eine CD auflegen mit Flötenklängen alter Meister, wunderbar gespielt und technisch perfekt eingespielt. Ich könnte mich nach Konzertkarten für entsprechende Ohrenschmause umsehen. Aber das selber Spielen, und sei es noch so stümperhaft, ist ein ganz eigener Genuss.
Es entsteht in mir doppelte Freude, wenn ich den Tönen lausche, die ich mit meinem Instrument erzeuge: ich genieße die warmen Klänge und ich genieße es, sie selber hervorrufen zu können, sie zu spüren und lebendig zu machen.

 

Ich kenne dieses stolze Gefühl, die Vision plötzlich fliegen zu können, vom Schreiben. Aber da schaffe ich immerhin etwas Neues. Diese Melodien jedoch, die ich hier spiele, die hat Altmeister Purcell schon vor längerer Zeit komponiert. Ich mache beim Musizieren ja nur etwas lebendig und wiedererlebbar, was ein anderer vor mir geschaffen hat.

Und trotzdem erfüllt mich Staunen, ja Ehrfurcht vor meiner Fähigkeit, Schönheit zu erzeugen. Beim Singen im Chor ging es mir manchmal ähnlich: plötzlich überfiel mich ein Gefühl der Bewunderung und Verzückung, wenn ich hörte, wie unglaublich schön das Zusammensingen klang, zu dem man selber nur einen kleinen Teil beitrug.
Ab mit meiner Flöte bin ich alleine, spiele ziemlich mäßig und dennoch bin ich dabei einem Glück ganz nah, das für mich aus keiner Musikanlage herausgelockt werden kann.

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Tschingis Aitmatow, Der Schneeleopard I

Kranich hat mir den neuen Aitmatow geschenkt.

Als meine Freundin neulich versuchte, im Weimarer Theater Karten für die Lesung von Aitmatow zu bekommen, lächelte die Dame am Schalter schon 1 Woche vor der Veranstaltung nachsichtig. Ausverkauft seit Monaten!


Vor 20 Jahren habe ich zu Zeiten von Glasnost und Perestoika auf der Wöchnerinnenstation gelegen und Aitmatows Wölfin gelesen, angetan von der Sensibilität, mit der er diesen Tieren nachempfinden kann , schockiert über die geschilderte Ausbeutung und Schändung der Natur in einem Land, das Sowjetunion hieß und von dem ich so etwas damals nicht erwartet hatte.

Ich liebe den weißen Dampfer und die Dshamilja, die ganz besonders. Im Internet las ich, dass diese Erzählung sozusagen die Examensarbeit von Aitmatow gewesen ist.

Und jetzt also: „Der Schneeleopard“, der neue Roman (2006), der 2007 in deutscher Sprache herausgegeben wurde.

aitmatow-k.jpgIch pflege Bücher zuende zu lesen, erst recht, wenn es Bücher sind von geschätzten Autoren.
Bei diesem Buch muss ich mich ziemlich lange warm lesen, die Geschichte öffnet sich mir bis jetzt kaum, bleibt mir fremd und lässt mich bisher unberührt.

Die Schilderung des verzweifelten, an seinen enttäuschten Liebeshoffnungen und an den Demütigungen der neuen Gesellschaft schwer tragenden Helden, des unabhängigen Journalisten Arsen Samantschin scheint mir bisher wenig überzeugend und dick aufgetragen und fast einwenig hölzern. Vielleicht ist mir auch nur aufgestoßen, dass die Kernliebesszene ausgerechnet am Heidelberger Schloss spielt, was ja für viele Menschen dieser Welt nicht weiter von Bedeutung sein wird, aber für mich als Deutscher fatal unangenehm nach – wenn auch wohl unbeabsichtigtem – Kitsch schmeckt?
Dass Arsen vor allem auch an den Verletzungen und Ausgrenzungen leidet, die ihm das neue Gesellschaftssystem zugefügt hat, das alles zu Ware macht und in dem nur mehr das zählt, was sich verkauft, ist mir schon deutlich geworden. Eine Gesellschaft wird dargestellt, in der nur mehr das Streben nach Reichtum und Macht eine Rolle spielt, in der kulturelle Werte verfallen. Hier scheint der Held keinen Platz mehr zu haben. Er wird zum Paria.
Aber seine Reaktion und seine Art, mit dieser Situation umzugehen, hat für mich etwas Theatralisches und dick Aufgetragenes. Damit geht für mich die Gesellschaftskritik in der Kolportage unter.
Ich bin jetzt schon auf Seite 100 und wundere mich, u.a. auch über die Sprache Aitmatows, die mir merkwürdig roh vorkommt. Außerdem nerven mich die schicksalsschwangeren Andeutungen und Zukunftsandrohungen, die den Text ständig begleiten und wie überflüssige Winke mit dem Zaunpfahl peinlich herumstehen.
Nur in den Abschnitten, in denen es nicht um Arsen sondern um den anderen Helden seines Romans, den von seinem Rudel verstoßenen, alternden Schneeleoparden Dschaa-Bars, geht, erkenne ich meinen Aitmatow überhaupt wieder. Hier kommt dann doch etwas zu mir herüber, spricht mich an und wird für mich lebendig. Dennoch kann ich immer nur wenige Seiten pro Abend lesen. Das Buch hat mich noch nicht gepackt. Aber ich bleibe dran. 

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vom Maispaziergang mitgebracht

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Hallo MitbloggerInnen: Bitte um Tipps!

nun weiß ich ja, dass meine Beiträge noch nicht allzuviele Leute erreichen.

Aber vielleicht gibt es doch den einen oder die eine, die mir mal einen Tipp geben kann?
Ich versuche meine Fotos downzuloaden, aber sie reduzieren sich immer auf wenige KB, sodass ich sie überhaupt nicht größer ziehen kann. Vor einigen Tagen ging es noch, aber jetzt kann ich machen was ich will.
Außerdem wird die Schrift hier beim Beitragschreiben immer winziger. Kann man sowas einstellen? Ich hätte sie gerne auch im Blog selber etwas größer.

PS. Mein Notebook tuts wieder und tut so unschuldig, als wäre nie was gewesen. Als ich es unserem Ingenieur vorführen wollte, war alles wieder paletti. Man kennt das ja vom Arztbesuch oder wenn man mit dem Auto in die Werkstat geht. Also gehts erst mal weiter und ich warte … Garantie habe ich noch ein Jährchen, das wird dann wohl noch reichen.

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Prävention- zu teuer oder zu unbequem?

Im Seminar „Hilfeplanung“ ist es mir heute zu meiner eigenen Überraschung gelungen, Studierende vom Reiz einer gemeinwesenorientierten, präventiven Jugendamtsarbeit zu begeistern.
Ich habe beiläufig von meinem Besuch mit Studierenden vor ein paar Jahren in Altenessen erzählt, wo die BezirkssozialarbeiterInnen dieses Stadtbezirkes – statt sich in Amtsstuben hinter ihrem Schreibtisch zu verschanzen – in einer kleinen Parterrewohnung eine Art Nachbarschaftszentrum betrieben und neben Beratung und Fallarbeit im Hinterraum einfach nur als Ansprechpartner für alle möglichen Fragen und Anliegen zur Verfügung standen. Hierfür stand der vordere Raum zur Verfügung.
 
Gleichzeitig trafen sich hier Bewohner des Viertels bei Kaffee zum Reden. Während ich mit den StudentInnen zu Besuch war, gaben sich tatsächlich ständig Menschen aller Altersstufen die Klinke der Eingangstür in die Hand.
 
 
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Und ich habe erzählt vom Stadtteilfest, wo traditionell der Waffelstand vom allgemeinen Sozialdienst betrieben wurde und auf diese Weise Menschen so ganz nebenbei „Ihre“ Sozialarbeiter begutachten, mit Ihnen unverbindliche, freundliche Worte wechseln konnten, wo beide Seiten sich gegenseitig als Menschen begegnen und mehr sind als Hilfebedürftige auf der einen und Amtspersonen auf der anderen Seite.
„Warum gibt es das heute nicht mehr?“, haben sie erstaunt gefragt. Ihre Begeisterung hat mich gerührt aber auch fest erschreckt. Dass sie sich so etwas nicht einmal mehr vorstellen können? Ist es wirklich so anders geworden in unseren Jugendämtern?
 
 
Liegt es nur an dem chronischen Geldmangel in der Jugendhilfe, der scheinbaren Notwendigkeit, jede Reform zwangsläufig als Sparmaßnahme zu funktionalisieren.
Oder liegt es (auch) am veränderten Berufsverständnis der SozialarbeiterInnen in den Ämtern selber?
Eine der Studenten sagte: „Ich glaube die Kolleginnen aus meinem Jugendamtspraktikum hätten einen Schreikrampf bekommen, wenn man von ihnen erwartet hätte, auf einem Stadtteilfest einen Waffeln zu backen!“ Das hat mich ernsthaft erschreckt!
Warum eigentlich begreifen die Menschen, selbst so viele Sozialarbeiterinnen nicht, von Politkern ganz zu schweigen, dass Prävention sozialverträglicher, nachhaltiger und effektiver und letztlich auch effizienter wäre? Vielleicht: weil Waffelnbacken nicht so viel hermacht wie das Schreiben von Akten und das Anwenden von Gesetzestexten? Oder auch  weil Klienten, die meine Waffeln essen, mir viel zu nahe kommen? Vielleicht auch, weil Klienten, die uns Waffeln abkaufen, nicht mehr als Bittsteller auftreten und nicht nur Menschen sind, die unsere Hilfe brauchen sondern in vieler Hinsicht gleichwertige und gleichberechtigte Partner?
 
 

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mein Leben ohne Internet

Sonntag Morgen
Leider geht er immer noch nicht.
Ich bin um 5 Uhr aufgestanden und habe erst mal recherchiert, welche meiner Daten gesichert sind auf Sticks und CDs und DVDs. Das sieht gar nicht so schlecht aus. Aber das Neueste fehlt, alle Fotos z.B. seit März…

Es ist eine interessante Erfahrung, wenn einer plötzlich ihr PC und ihr Internet weg bricht.
Kann ich so überhaupt noch klarkommen?
Was eigentlich fehlt mir, nicht nur an Daten, auch an Lebensgefühl und Alltagsbewältigungsmöglichkeiten?
Ich ärgere mich z.B., dass ich jetzt auf absehbare Zeit die Villon-Lieder nicht hören kann, die ich auf dem Notebook hatte. Und die sorgfältige Anlage des Fotoalbums mit meinen über 4000 Fotos war für die Katz, die hatte ich erst im April gemacht.
Andererseits geht eine gewisse Befriedigung durch mein Gemüt: Es lebt sich auch so. Fast spüre ich eine Genugtuung wie: Ätsch www, ich kann diesen Sonntag auch ohne dich zubringen, fahre mit G. nach Schloss Molsdorf, unsere letzte gemeinsame „Schlossreise“, bevor sie in ihr Schiffspraktikum und dann nach Irland verschwindet. Und draußen ist der wunderbarste Mai!

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Und ich will heute ja auch ausprobieren, ob ich es immer noch bringe auf meiner alten Altblockflöte. Denn nächsten Mittwoch beginnt ein Luxusunternehmen besonderer Art: Ich versuche meinen bescheidenen Flötenkünste zum ersten Mal in meinem Leben durch Unterricht auf die Sprünge zu helfen. Jetzt, nachdem Mutter nicht mehr für Schulkinder Musikunterricht finanzieren muss, ist sie mal selber dran. Vielleicht wird es so katastrophal, dass ich gleich zum Schuljahresende wieder kündige. Aber mal sehen.

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Technikstress

Vor ein paar Wochen brachte ich mein Notebook zu einem PC Reparatur-Service, weil es plötzlich mitten im Betrieb ausgegangen war.

Bei dem Spezialisten lief es dann wieder, aber sicherheitshalber ließ ich für gut 100 Euro die gesamte Festplatte auf DVD sichern.

Als ich mit dem Schätzchen wieder zu Hause war, passierte mir das gleiche. Und nun entdeckte ich, dass das Gerät zwar am Netzteil angeschlossen war, dies aber an einer Steckdose hing, die mein Ehemann ausgestellt hatte, solange ich nicht da gewesen war. (Ich stelle Steckdosenleisten nie aus…) Große Erleichterung!

Aber heute passiert das gleiche. Der Rechner geht an, seine Lichter blinken kurz, dann hustet er leicht und erlischt. Immer wieder. Und heute ist das Netzteil richtig angeschlossen. Nun also: put

Nun steh ich da und habe auf einmal keinen PC mehr. Es ist Samstag. Ich sehe unseren Ingenieur, der mir vielleicht helfen kann, erst nächsten Dienstag. Der Rechner hat noch Garantie, müsste sofort eingeschickt werden. Jetzt kann ich über gewisse DVDs froh sein, auch das ich gestern noch die aktuellste Fassung meines Manuskriptes auf meinen Stick gezogen habe….
Aber das wird alles dauern. Mir graut es …
Und da ich heute schon die Teleskopstange meines neuen Staubsaugers ebenfalls für kaputt erklärt habe und dann ganz zufällig doch entdeckte, wie die Stange festgestellt wird – so habe ich es offenbar bisher immer gemacht, aber heute wusste ich nicht mehr, wie es geht….– hege ich noch eine gewisse Hoffnung, dass ich morgen früh, ausgeschlafen und cool, auch wieder weiß, wie man ein Notebook anstellt.

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Ich schreibe das hier auf meinem alten PC, der eigentlich ausrangiert im alten Kinderzimmer stand. Ich habe ihn wieder aufgebaut und er läuft. Ich habe das DSL Kabel eingesteckt. Aber ich kriege keine Internetverbindung. Wahrscheinlich habe ich den Zugang gelöscht, als ich den Rechner in der Streusandbüchse angeschlossen hatte. Und meine Zugangsdaten zum DSL hier habe ich schon länger verloren. Solche Leute wie ich sollten vielleicht lieber mit Gänsekiel und Tinte schreiben…
Aber wenn ich in den nächsten Tagen irgendwo ins Internet komme, wird das hier erstmal ins glashaus gestellt.
Wir werden weiter sehen.

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Klausi’s Kommentar – Muttersöhnchen?

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Bin ich ein Muttersöhnchen?

Das hat Papa heute früh gefragt, als wir drei noch im Bett lagen. Es stimmt mich nachdenklich.

Ich dürfte nicht nur Partei für meine Mama ergreifen, meinte er. Außerdem sei ich ja ein ganz normal entwickelter Junge.

Kann man wohl sagen. Aber ich will weder ein Mamasöhnchen noch ein Papasöhnchen sein, habe meinen ganz eigenen Kopf.

Und außerdem: Loyalitätskonflikte sind Gift für Kinder, das weiß doch heute wirklich jeder. Also, liebe Eltern, lasst mich bitte ganz allein mein Ding machen! O.k.? 

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Hundebesuch

Jena

Heute Nacht war Anka hier bei uns.
Meine Jüngste schreibt heute ihre Physik-Abi-Prüfung und hatte Angst, dass Anka sie nicht richtig schlafen lässt.

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Das ist also Anka, 10 Jahre alt, Eurasierin

Anka war ganz brav und läuft jetzt in meiner Wohnung herum und wartet auf ihr Frauchen, die sie direkt nach der Prüfung abholen wird.
Der Morgenspaziergang mit ihr war schön: ein milder, sonniger Morgen, auf der Wegstrecke an der Leutra, einem Saalezufluss waren wir fast alleine bis auf ein paar Joggerinnen und eine kleine schwarze Katze, deren Auftritt Anka, eine immerhin 10 Jahre alte, längst gesetzte Eurasierin, im Bruchteil einer Sekunde in eine Hunderakete verwandelte, die schneller als ich gucken konnte mitten durch den breiten Bach rannte und auf der anderen Seite die Verfolgung aufnahm. Die Katze konnte sich erfreulicherweise über einen hohen Zaun retten und Anka kam freiwillig und zufrieden von ihrem kleinen Abenteuer zu mir zurück.

Ab Sommer wird Anka ihren neuen Wohnsitz bei uns auf der Streusandbüchse einnehmen. Kranich wird sich mit ihr anfreunden müssen, denn ab Oktober werde ich dann wieder nur noch alle 14 Tage am Wochenende dort sein können.

 

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