Das andere Amerika

   

Gesehen gestern Abend bei Arte:
eine Reportage über Menschen, Bewegungen, Strömungen in den USA, die das andere Amerika repräsentieren, ein Amerika, das dem derzeitigen Gesamteindruck von einer bornierten, engstirnigen und am bloßen Schein und an ihrer Weltmachtstellung orientierten  Nation entgegen- und widersteht.    

http://www.arte.tv/de/geschichte-gesellschaft/Das-andere-Amerika/1605436.html

Eine tröstliche Sendung für mich, die ich im Nachkriegswestdeutschland aufgewachsen bin und zu deren Sozialisation die USA auf eine gewisse Weise ganz entscheidend dazu gehörte: mit den schwarzen Amerikaner im Straßenbild meiner Kindheit, mit den Care-Paketen…
Und auch in meiner Jugend waren die USA für mich immer präsent und gehörten zu meiner Lebenswelt dazu: mit ihrer Sprache, ihrer Musik, ihrem immer einwenig Voraussein in den Entwicklungen, die kurze Zeit später uns in Deutschland erreichten, aber sicher auch und dass vor allem: mit all ihren Widersprüchen.
Meine Jugend hat so etwas wie eine Haßliebe zu diesem Land begleitet. Natürlich waren die USA auch damals das, was sie heute immer mehr werden: eine Nation, die sich für den Nabel der Welt hält, eine latent dogmatische, bibelfixierte und die Bibel für ihre Herrschaftideologie mißbrauchende Nation. Die Lage der Schwarzen, der Vietmnamkrieg, das waren Aspekte dieses Landes, die einen auch damals in Harnisch bringen konnten. Oder die hübsche sozialpsychologische Untersuchung in den 70er Jahren, bei der die Versuchspersonen befragt wurden, wieviel Millionen Tote sie auf der eigenen und auf der Seite der Feinde (damals noch nicht die heutigen „Schurkenstaaten“ sondern die sozialistischen Staaten) riskieren und akzeptieren würden, wenn es nötig sei, einen atomaren Schlag in diese Richtung zu starten….

Aber immer war es damals auch das Land der Hoffnung und der Freiheit, der Toleranz, der Möglichkeiten.
Und in manchem Hollywood Film konnte man sehen, dass es in dieser Nation auch Leute gab, die in der Lage waren, ihre Gesellschaft zu durchschauen und die reaktionären Tendenzen zu bekämpfen und zu enttarnten. Mir fallen da spontan zwei meiner alten Lieblingsfilme ein: „Die Faust im Nacken“ und „Ein Mann wird gejagt“ http://www.prisma-online.de/ksta/film.html?mid=1965_ein_mann_wird_gejagt.(Die Filme, auch die kritischen Filme  eines Landes bilden aber leider nicht die Realität ab sondern oft nur die Träume von einer anderen Realität. Das habe ich auch erlebt mit vielen DEFA Filmen, die erstaunlich kritisch mit der realsozialistischen Gesellschaft umgingen.)
Es schmerzt mich heute, dass von diesem immerhin widersprüchlichen Amerika, das zu meinem Leben dazu gehörte und das ich nicht missen möchte, z.B. für Ossis, die die USA nur noch so erleben, wie sie sich heute gebärdet, nichts mehr zu sehen ist.
Dieses andere Amerika, das ich kannte und immer auch geliebt habe, ist in den letzten Jahren, verstärkt seit dem 11. September immer mehr entschwunden.
Die Dokumentation gestern hat mir ein kleines Stück davon wieder gegeben.

Das ganze ist kein neues Phänomen:
Erstaunliches findet sich schon in der Reisereportage „Aufzeichnungen aus Amerika“ von Charles Dickens aus dem Jahre 1842. Viele Widersprüche und Grundthemen, die er auf seiner Reise einfängt, kommen einem höchst modern und aktuell vor.

http://www.perlentaucher.de/buch/13829.html

Dickens widmet sein Buch genau jenem Amerika, von dem gestern in der Artereprotage die Rede war:

„Ich widme dieses Buche meinen Freunden in Amerika, die nach einem Empfang, dessen ich mich stets mit Stolz und Dankbarkeit erinnern werde, meinem Urteil seine Freiheit ließen und die, weil sie ihr Vaterland lieben, die Wahrheit, wenn sie wohlmeinend und nicht verletzten gesagt wird, vertragen können“.

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Gesponserte Bildung – gekaufte Wissenschaft

Gestern hat es also auch unseren Fachbereich erreicht:
Eine namenhafte Firma ist daran interessiert, uns zwei Lehraufträge zu bezahlen, wenn dafür ihr Logo deutlich und unübersehbar allen Teilnehmern der Veranstaltung kundgetan wird.
Noch hat sich unsere ProfessorInnengruppe nicht positioniert. Es handelt sich noch nicht um Lehrveranstaltungen, die unabdingbar laut Studienordnung durchgeführt werden müssen. Es geht mehr um die Frage, ob wir uns was Zusätzliches, „Buntes“ leisten können und wollen. Auch wir müssen uns ja schließlich gut verkaufen.
Freilich, solches Vorgehen ist in anderen Bereichen der Gesellschaft längst Usus und keiner sieht mehr wirklich hin – oder doch? Sonst würde es sich für die Unternehmen ja wohl kaum lohnen?
Für einen Moment sah ich uns bei einer Drogenfachtagung versammelt und über dem Podium prangt mit großen durstigen Buchstaben: gesponsert von Warsteiner…
Immerhin mein Lieblingsbier. Würde mich das trösten?
Ich bin nicht optimistisch, dass die Mehrheit unserer Kollegen dieses Angebot ausschlagen wird. Vermutlich werden die meisten mit Blick auf die moderne Zeit und ihre Anforderungen nichts weiter dabei finden …
Vielleicht erleben wir den Tag, wo die Studierenden gespannt darauf warten, welches Werbe-T-Shirt ihre Proffesorin heute im Seminar trägt?

Ich bin in einer Zeit des Kapitalismus aufgewachsen, wo Werbung noch etwas war, was man möglichst aus seinem privaten und öffentlichen Leben heraus hielt. Kleidungsstücke, auf denen irgendwelche Werbeschriftzüge standen, hätten den Träger als bitter arm (so bedürftig, dass er eben tragen muss, was er geschenkt kriegt) oder verrückt angesehen.
Man sprach von Schleichwerbung, wenn jemand verbotener Weise Werbung in sein Medienprodukt einbaute. Werbung war für mich immer ein eher belächeltes Phänomen. Es gab werbungsfreie gesellschaftliche Räume: lange den Rundfunkt und auch das Fernsehprogramm mindestens außerhalb expliziter Werbezeiten, die man einfach meiden konnte, wenn man wollte. Dann folgte die ständige Unterbrechung von Spielfilmen durch Werbung. Irgendwann wunderte man sich nicht mehr, dass einem die Wettervorhersage von irgendeinem Unternehmen für Unterwäsche offeriert wurde. Irgendwann musste ich nach einschalten der Glotze erst einmal herausfinden, ob da gerade Werbung lief oder eine Sendung, weil sie anfingen, sich zu ähneln. Die Werbung nimmt zunehmend den Charakter einer Doppelrealität an. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Menschen und ihre Lebenswelt inzwischen funktionalisiert worden sind für einen einzigen großen Werbefilm.
Die Wissenschaft und der Bildungsbereich waren immer werbefreie Räume. Die Freiheit der Wissenschaft war ein Wert. Heute ist diese Freiheit eher ein Synonym für die Öffnung von Begehrlichkeiten und Einflusswuünschen der Wirtschaft, die sie als eine Institution sehen, die ihr zu dienen hat.

Kreuze und Kopftücher werden aus dem Bildungsräumen verbannt mit dem Hinweis auf die in unserer Gesellschaft geltende Trennung von Kirche und Staat.
Wie wäre es mal mit einer Trennung von Wirtschaft und Staat?

 

 

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Klausi’s Kommentar : Ossis Raumbedarf

  

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Ich bin ein echter Wossi.

Meine Alten sind Ossi und Wessi. Ist heute nichts Besonderes mehr?

Mag ja sein. Aber es reicht schon noch dazu, sich als Außenstehender ab und an zu wundern.

Nun haben sie ihr Häuschen und mein Ossipapa hat sich zu sooo viel Quadratmetern nur wegen ihr hinreißen lassen. Aber meine Wessimama findet das ganze immer noch recht beengt mit seinen 70 qm. Nun haben sie doch den tollen 4 m langen Schreibtisch vor dem Giebelfenster, wo sie bequem nebeneinander computern und alles andere machen können. Aber wenn mein Alter seine neuesten CDs einspielen will und Mama noch arbeitet, dann fühlt sie sich doch manchmal gestört und sehnt sich nach einem eignen Zimmer… Aber das sind luxeröse Wessiträume, denkt Papa wahrscheinlich ….

„Mein Mann ist sehr bescheiden“, pflegte schon meine Oma zu sagen, „und ich bin das Opfer“.

  

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Restless legs

Wer weiß schon, was das ist? Eine ziemlich schreckliche Krankheit,

  • schrecklich, weil unendlich quälend, Schlaf verhindernd, normales Leben verunmöglichend, zum Wahnsinn treibend
  • schrecklich, weil bis heute von vielen Ärzten, von Krankenkassen und Sozialbehörden unterschätzt, wenn nicht sogar belächelt.

Die deutsche Bezeichnung ist „unruhige Beine“, was eine ziemliche Harmlosigkeit suggeriert. Wenn man von diesem Leiden anderen erzählt, sagt jeder Zweite, das kenne er auch. Tatsächlich ist die Krankheit in ihrer leichten, und nicht behandlungsbedürftigen Form relativ verbreitet. Behandlungsbedürftig ist sie, wenn der Schlaf massiv gestört und verhindert wird, wenn die quälenden Gefühle es unmöglich machen, mal eine Stunde irgendwo still zu sitzen, wenn man es vorzieht, lieber zu Hause zu bleiben, statt ins Theater oder ins Kino zu gehen, weil es doch nur auf eine Quälerei hinausliefe….

Gestern war mal wieder die Zeitschrift der Selbsthilfegruppe „Restless legs e.V.“ im Briefkasten. Ich bin diesem Verein beigetreten, als meine Erkrankung erkannt war und medikamentös behandelt wurde. Das war vor etwa 5 Jahren, als ich eigentlich per Zufall an eine Nervenärztin geriet (eigentlich war ich wegen einer Ischiasentzündung bei ihr), der ich von meinen quälenden Gefühlen erzählte. Davor hatten alle Ärzte nur abgewunken, Bewegung empfohlen oder Psychpharmaka…

Die Symptome sind in den letzten Jahren kontinuierlich schlimmer geworden. Zwischenzeitlich war ich mehrfach gezwungen, ohne Medikamente oder zumindest ohne das für mich offenbar geeignetste Medikament Cabaseril auszukommen. In diesen Phasen wurde mein Leben jedesmal wieder zu einer unerträglichen Hölle. Die Vorstellung, dass sich das noch steigern könnte (Restlegs legs ist derzeit nicht heilbar und ist eine chronische neurologische Erkrankung), war unerträglich. Mitunter beschleicht mich die Horrorvorstellung, mal in eine Notlage zu geraten, meine Medikamente nicht zur Verfügung zu haben, mich aber nicht verständlich machen oder mir selber nicht helfen zu können. Es würde einem dann so gehen wie einem Zuckerkranken, der keine Medikamente bekommt. Sterben kann man freilich nicht an Restless legs, höchstens durch Infarkt aus Angst vor den Qualen in einer solchen Situation oder durch Verzeiflungsselbstmord… Dieses kommt durchaus vor.

Meine Ärztin hat mich immer gut versorgt. Zwischenzeitlich allerdings konnte sie mir das Cabaseril nicht verschreiben, weil es für Restless legs nicht anerkannt wird und eigentlich ein Parkinsonpräparat ist. Schwächere Medikamente, die zugelassen waren wie Madopar oder Restex halfen nicht wirklich. Eine Zeit lang musste ich das Opiat Tilidin schlucken, was alle möglichen vitalen Kräfte in mir vorübergehen lahm gelegt hat.
Inzwischen bekomme ich Cabaseril verschrieben, weil meine Dosis immerhin inzwischen so hoch (2 mg) ist, dass das alternative, inzwischen zugelassene Medikament (Sifrol) in dieser hohen Dosis genau so teuer ist.

Ich habe Glück im Unglück, denke ich heute mit Grauen, wenn ich meine Selbsthilfezeitung durchlese:

  • Viele Menschen haben von Cabaseril offenbar starke Nebenwirkungen. Ich merke nichts davon.
  • Und meine Kasse schluckt sozusagen die Pille, weil es ihr egal ist, für welches Medikament sie zahlt, wenn es hilft. Das ist nicht selbstverständlich. Es gibt Fälle, in denen Kassen lieber mehr zahlen als das Medikament, das verschrieben wird, weil es hilft – nur weil es nicht für Restless legs anerkannt ist.

Die Lektüre der Selbsthilfezeitung erfülllt mich jedesmal wieder neu mit Schrecken und Grausen, wenn ich die ausführlichen Fallschilderungen der Mitbetrofffenen lese. Aber ich bin auch froh und dankbar, bei meiner Ärztin auf jemanden bauen zu können, die mir wirklich hilft und die Krankheit so ernst nimmt, wie sie ist.
Und außerdem beruhigt es ungemein, zu lesen, dass es viele andere Betroffene gibt, die sich recht und schlecht in ihrem von Restlegs legs beeinträchtigten Leben zurechtfinden müssen.

mehr Infos:

Startseite RLS e. V. Deutsche Restless Legs Vereinigung

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Linkspartei – naive Intellektuelle?

Wer fühlt sich von der Linkspartei angesprochen? Wie ich neulich im Radio hörte sollen das vor allem die Ausgegrenzten, die Verlierer der Gesellschaft sein und auch einige naive Intellektuelle.

So. So. Ich vermute, es werden außer denjenigen, die sich schon als Verlierer der Gesellschaft empfinden müssen auch solche Menschen angesprochen fühlen, die nun endgültig kapiert haben, dass die SPD nicht mehr die Partei in Deutschland ist, die die Interessen derjenigen in der Gesellschaft vertritt, die nicht zu den herrschenden Schichten und den Aufstiegsgewinnern dieser Gesellschaft gehören.

Sehr schön übrigens nachzulesen im Kommentar von Franz Walter:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,489729,00.html

Und die naiven Intellektuellen? Altkommunisten und andere Gestrige, die immer noch nicht kapiert haben, dass die beherrschenden Götter dieser Zeit nun einmal allein die Wirtschaft und ihr Profit sind?

Ich für meinen Teil stelle fest, dass auch mich eine gewissen Naivität auszeichnet. So habe ich vor ein paar Jahren, als Hartz gerade über uns IV über uns hereinzubrechen drohte, eine Satire geschrieben, von der ich damals glaubte, sie habe science-fiction-Charakter, würde durch ihre Skurilität wirken. Inzwischen aber wurde sie von der Realität längst eingeholt, ja überholt ist. Habe die Geschwindigkeit des Turbokapitalismus glatt unterschätzt. Also doch zu naiv!

Hier die Satire:

Im Jahre 5 nach Hartz IV

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Frau Steinbürger wirft einen prüfenden Blick auf ihre Tochter. Marietta sitzt am Küchenfenster und macht Schularbeiten. Dort ist es um diese Tageszeit noch hell genug.
Dann sieht sie auf die Uhr über dem Küchentisch. Für den Bruchteil einer Sekunde ist sie überrascht. 15 Uhr? Das kann doch gar nicht sein. Dann fällt es ihr wieder ein: Die Küchenuhr ist vor zwei Tagen stehen geblieben. Sie müßte neue Batterien kaufen. Vielleicht übermorgen, da hat sie den Auftrag von Familie Griebert, die geben immer großzügig Trinkgeld. Bis dahin wird es sicher auch mal so gehen. Die alte Armbanduhr ihrer Mutter, die sie noch gefunden hat, tut ja noch ganz zuverlässig ihren Dienst, wenn man es schafft, sie rechtzeitig aufzuziehen.
Es ist gleich sechs. Die Männer werden sicher bald kommen.
Frau Steinbürger deckt den Abendbrottisch. Gut, dass sie bei Aldi noch einige Packungen von dem billigen Vollkornbrot ergattert hat! Das schmeckt wenigstens einigermaßen. Wie gerne würde sie ihrer Familie mal wieder ein richtig leckeres Brot mit Sonnenblumenkernen kaufen. Aber das ist einfach nicht mehr erschwinglich heutzutage. Das gibt es nur in einem richtigen Bäckerladen und kostet unglaubliche 4 Euro 50 das Pfund!
Martina Steinbürger stellt ihre Abendbrotkostbarkeiten auf den Tisch. Wirklich ein Glück, dass es die Discounter gibt und dort die Sonderangebote mit den gerade abgelaufenen Lebensmitteln. So kann sie heute Abend sogar Edamer und Schinkenspeck auftischen! Auch Butter hat sie heruntergesetzt bekommen. Gerne hätte sie noch fünf oder auch sechs Stück dazu genommen und sie eingefroren. Aber seit vor zwei Jahren die Tiefkühltruhe kaputt gegangen ist, geht so etwas leider nicht mehr. Eine neue ist nicht drin. Vielleicht können sie sich eine Reparatur leisten, wenn Swen im nächsten Jahr wirklich die Stelle von Werner Hofmann bekommt. Das wäre wunderbar, denn lange können sie alle allein von ihrer Arbeitslosenhilfe und ihren Trinkgeldern, die sie für ihre Wochenendeinkäufe bekommt, nicht leben.
Mutter hat es damals ja gleich gesagt, als sie zum zweiten Mal schwanger geworden war: Zwei Kinder kann man sich einfach heute nicht mehr leisten, wenn man keine richtige Arbeit hat. Dabei hatte sie ja schließlich damals noch richtige Arbeit als Bibliothekarin in der Stadtbücherei. Aber Swen studierte noch. Wahrscheinlich hatte Mutter auch damals schon Recht. Und inzwischen ist ja auch alles noch sehr viel schwieriger geworden.
Es wird tatsächlich schwer werden, auch noch Marietta groß zu kriegen und ihr eine vernünftige Ausbildung zukommen zu lassen. Eine gute Ausbildung ist doch immer noch eine echte Chance. Natürlich ist sie keine Garantie. Ihr Mann Swen hat schließlich nach seinem Architekturstudium vor sieben Jahren bis heute keine entsprechende Stelle gefunden. Und an ein eigenes Büro ist nicht zu denken. Die Ich-AG damals war ein Reinfall. Sie sind da gerade mit einem blauen Auge wieder herausgekommen. Gegen die großen Haie in diesem Berufszweig kommt keiner an. Aber er gibt nicht auf, ihr Mann. Frau Steinbürger muß lächeln. Sie ist stolz auf Swen. Und gerade jetzt sieht es auch wirklich ganz gut aus, jetzt, nachdem das Bauamt seinen Antrag positiv beschieden hat und er ein weiteres Jahr ehrenamtlich dort arbeiten darf. So was zählt eben. Das wird anerkannt. Jetzt hat man ihm sogar einen eigenen Schreibtisch gegeben. Er zeigt aber auch wirklich guten Willen! Bestimmt werden sie ihm im nächsten Jahr die Stelle von Werner geben! Das wäre dann endlich ein Anfang. Immerhin läuft die Stelle zwei volle Jahre! …. Wer die Geschichte weiterlesen möchte: bitte schreiben Sie es im Beitrag an mich!


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Gedanken am Rande: Spuren

schneeweg-klein.jpgGestern hat der Sommer angefangen. Zum 59. Mal in meinem Leben. Dann wird wieder ein Winter kommen…… Da geht mir durch den Kopf: Es gibt mich nur einmal. Mit mir wird meine Welt untergehen. Werde ich Spuren hinterlassen? Und wenn ich den Weg verfehle, der meiner gewesen wäre?

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Effizienz in der Hochschulbildung – für wen?

Die Nachdenkseiten brachten am 13. Juni einen spannenden Artikel zur Einschätzung der gegenwärtigen Hochschulpolitik. Alle aktuellen Themen werden in den 25 Seiten des Artikels behandelt: die Studiengebühren, das neue Hochschulmanagement, die Bolgna-Studiengänge …

„Angestoßen von den Wirtschaftsverbänden und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft – und beraten vor allem vom Bertelsmann Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) setzte sich eine ökonomische, genauer müsste man sagen, eine betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise nicht nur des Studiums sondern auch des gesamten Hochschulwesens durch. Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung nannte diesen Prozess eine „Verbetriebswirtschaftlichung“ des bildungspolitischen Denkens.“

Der Autor nennt Fakten und Namen, informiert über Hintergründe und enttarnt das Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik, zwingt den Leser dazu, manches, an was er sich längst gewöhnt hatte, doch wieder neu infrage zu stellen.

Dabei ist für mich das Überraschende und Erschreckende zugleich: Nichts von dem, was hier beschreiben wird, dräut etwa nur am Horizint, kann als schwarz gemalte Zukunftsperspektive eingeordnet werden. Faktisch hat all das auch z.B. uns hier in Jena längst erreicht.

Auf der Titelseite von gmx wird heute gefragt: Ist Studieren nur noch etwas für Reiche? Wenn ich mich so umsehe, muss ich sagen: Genau in die Richtung geht es.

Der Autor des Artikels kommt zu folgender Gesamteinschätzung der Lage:

„Im Mittelalter beherrschten die Kirche und die Monarchen die Wissenschaft und die Universitäten, im 21. Jahrhundert soll es wohl Bertelsmann sein. Eine neue Epoche der Aufklärung und eine politische Freiheitsbewegung für die Unabhängigkeit und Freiheit der Wissenschaft sind leider nicht in Sicht.“

Der Artikel lohnt, gelesen zu werden.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=2405 

 

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Fingerhüte und Schatten

Während die Hitze das Arbeiten im Sommersemester immer beschwerlicher macht, blühen in der fernen Streusandbüchse im Schatten unserer Bäume meine Fingerhüte vor sich hin.

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Es wird Zeit, dass ich meine Bücherkisten packen und für die Semester freie Zeit dorthin umsiedeln kann…..

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Studienabbruch wegen Gebühren

Heute kam ein älterer Student zu mir in die Sprechstunde, um mir mitzuteilen, dass er das Studium abbrechen muss.

Er studiert als voll Berufstätiger und hat durch diese Doppelbelastung die Rechtsprüfungen nicht im vorgesehen Zeitrahmen geschafft. Nun werden von ihm ab nächstem Semester Studiengebühren verlangt. (In Thüringen werden bisher Studiengebühren nur von sogenannten Langzeitstudenten verlangt). Die kann er nicht bezahlen. Sein Sozialarbeitergehalt gibt das nicht her. Schade.

Es gibt Leute, die können sich nicht vorstellen, dass Studiengebühren oder auch schon die Verwaltungspauschale von 50 Euro, die jetzt von unseren Studierenden verlangt wird, richtige Finanzierungskrisen auslösen können für die Studenten.

Es gibt eine Menge StudentInnen, die einfach kein Geld haben und unter der Armutsgrenze leben. Die meisten müssen nebenher Geld verdienen, oft im einschlägigen Berufsfeld aber -weil noch ohne Abschluss – weit unter dem Üblichen, von Tarif kann schon lange nicht mehr die Rede sein.

Der neue internationale bachelor erwartet von den Studierenden eine 60 Stunden Woche. Dann ist es mit Geldverdienen ganz schlecht. Wer kann dann noch studieren. Wer wird das durchhalten?

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Das Gymnasium und der Rest

Wieder höre ich am frühen Morgen zwischen 5 und 6 Uhr Radio, während ich frühstücke und mir Gedanken mache, was ich heute im Garten so machen will….

Das Interview mit einem Bildungsforscher aus dem Dunstkreis der Agentur für Arbeit läuft. Der berichtet sachlich und fast ein wenig betroffen davon, dass etwa 10% der Bevölkerung für unseren Arbeitsmarkt nicht zu gebrauchen sind. Die offenen Stellen, die es zunehmend gibt im Rahmen des derzeitigen Aufschwungs, sind für die nicht zu haben. Gelassen spricht er es aus: 10% der Bevölkerung werden quasi abgeschrieben.

Wann endlich, denke ich böse, kommt ihr auf die Idee, dass es dann auch gesellschaftliche Verschwendung ist, diese 10% durch unser Schulsystem zu schleifen und sie mit Bildungsgütern zu belasten, die sie doch eigentlich gar nicht brauchen werden? Wann fängt der erste an, am Bildungsziel, Bildung für alle, zu kratzen? Wann kommt jemand, und erfindet die alte Volksschule wieder, die für diese Menschen dann nur die bescheidenen Bildungsgüter bereitstellt, die sie wirklich brauchen werden, z.B. wie man die Fernbedienung des Fernseher einschaltet. Wieviel Geld würde da der Staat einsparen können! Das könnte er dann in die Eliteschulen stecken, damit Deutschland endlich auch in der Bildung zur Elite gehört. Dann wäre Schluss mit dem kraftraubenden Versuch, solche Schüler in der Schule durchzuschleppen. Und zufriedener wären die dann auch, würden nicht ständig schlechte Noten haben, hätten keinen Leistungsdruck mehr und weniger Frust,würden endlich was lernen, was sie für ihr Leben gebrauchen könnten……

MDR Info hat jetzt ein neues Thema drauf. In Neuruppin hat die CDU sich für die Abschaffung der Hauptschule eingesetzt. Diese sei eine „Restschule“ und böte für die Schüler keinerlei Chancen.
Ich lausche gespannt. Also habe ich doch zu schlecht über unsere Politiker gedacht!?

Geschaffen werden soll eine sogenannte Stadtteilschule, höre ich weiter, die die Hauptschule, die Realschule und die Gesamtschule vereine. Dort könne man dann auch das Abitur machen. Ansonsten gäbe es nur noch das Gymnasium. Die CDU setze sich für ein zweigliedriges Schulsystem ein.

Na bitte, denke ich, also doch: Nicht ganz so ehrlich, aber genau das, was ich erwartet habe: Unsere Bildungseliten sind die eine Klasse und für sie bleibt erhalten, was es schon immer gab, das gute alte Gymnasium, eine Welt für sich sozusagen, eine Klasse für sich.
Und dann die neue „Restschule“ für all die anderen. Der eine oder die andere werden dort vielleicht sogar auch das Abi schaffen.

Die Realisierung der Gesamtschule als zweite Bildungslösung für die, die nicht so ganz helle sind, die aus einfacheren Verhältnissen kommen, für Migrantenkinder und für Kinder aus weniger bildungsnahen Familien, das gab es damals im Westen schon seit Erfindung der Gesamtschule. Und genau dieses Konzept hat die Gesamtschule diskreditiert und ihren ursprünglichen bildungspolitischen Grundgedanken kaputt gemacht.
In einer der großen Plattenbausiedlungen Jenas haben sich die Eltern und der Schulleiter des dortigen Gymnasiums lange mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, dass ihre Schule in eine Gesamtschule umgewandelt werden sollte. Die andere Schule, die zur Disposition stand, war ein traditionsreiches Gymnasium in der Innenstadt und seine Umwandlung stand nicht zur Debatte.
Natürlich hätte der Stadtteil von einer Gesamtschule mehr gehabt für die Jugendlichen, die es aufs Gymnasium bisher nicht geschafft hatten. Aber man sah die geplante Umwandlung vor allem als eine Abwertung und Diskriminierung der Schule an.
Und genau das ist sie auch, solange es daneben – für die anderen – weiter Gymnasien gibt.

Herr Munoz, Der UN Sonderberichterstatter, wusste, wovon er sprach:
http://www.zeit.de/2007/13/C-Bildungsbericht

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